Die Kraft der Körpermitte

Er sorgt für eine aufrechte Haltung und trägt eine riesige Last: Der Beckenboden ist das Kraft-Zentrum unseres Körpers. Doch oft vergessen und vernachlässigen wir diese versteckt liegende Muskelgruppe. Dabei kann es unser Wohlbefinden in vielerlei Hinsicht steigern, wenn wir uns gut um den Beckenboden kümmern.

Beim Yoga kommt dem Beckenboden eine zentrale Rolle zu, denn hier befindet sich das Muladhara Chakra, das sogenannte Wurzelchakra. Es ist das erste der sieben Hauptchakren im Körper und Ruheort der Kundalini- oder Bewusstseinsenergie. Symbol des Wurzelchakras ist der vierblättrige Lotus. Er symbolisiert die Kraft der Erleuchtung bzw. das Dritte Auge im Ajna- oder Stirnchakra, dem sechsten Chakra.

Die Aktivierung der Kundalini-Energie bewirkt, dass sie im Körper aufsteigen und Weisheit und Erkenntnis bringen kann. Außer Meditation spielt auch Yoga hierfür eine große Rolle. Im Kundalini Yoga gibt es beispielsweise verschiedene Mudras – das sind Hand- und Körperhaltungen, die den Energiefluss lenken können –, mit deren Hilfe der Beckenboden und die in ihm ruhende Kundalini-Energie aktiviert werden.

Der Beckenboden aus medizinischer Sicht

Auch in der Schulmedizin ist man sich der Rolle des Beckenbodens als stabilisierendes Zentrum des Körpers bewusst. Die aus drei Schichten bestehende Muskelgruppe im Beckenraum funktioniert praktisch als Auffangnetz für die darüber liegenden Organe. Ein gut trainierter Beckenboden stützt den Körper und sorgt für eine aufrechte Haltung. Er spielt eine wichtige Rolle für die Verdauungs- und Ausscheidungsorgane und hat Einfluss auf eine erfüllende Sexualität.

Da der Beckenboden aus Muskeln besteht, kann man ihn trainieren. Das sollte man auch tun, denn eine Überbeanspruchung durch Schwangerschaft und Geburt sowie das Alter tragen dazu bei, dass der Beckenboden mit der Zeit erschlafft und seine Aufgaben dann nicht mehr vollständig erfüllen kann.

Ein geschwächter Beckenboden kann zum Beispiel das Gleichgewicht beeinträchtigen und Rückenschmerzen verursachen. Sind auch die Schließmuskeln der Ausscheidungsorgane betroffen, droht eine Blasenschwäche. Im Ratgeber der Onlinepräsenz von TENA können sich Interessierte detailliert über Ursachen und Behandlungsmöglichkeiten informieren. Zentrales Thema ist auch dort immer wieder der Beckenboden.

Yoga für den Beckenboden

Der Beckenboden lässt sich mithilfe verschiedener Mudras aktivieren und kräftigen. Dabei werden vor allem die vorderen, mittleren und hinteren Beckenbodenmuskeln aktiv angespannt, die um Harnleiter, Scheide und Anus-Schließmuskel liegen. Darüber hinaus werden weitere Teile der Beckenbodenmuskulatur aktiviert.

Die wichtigsten Mudras sind:

  • Mula Bandha: Die oben genannten Beckenbodenmuskeln werden als Ganzes angespannt und diese Spannung wird gehalten.
  • Ashwini Mudra: Hierbei werden die Muskeln abwechselnd angespannt und entspannt.
  • Vajroli Mudra: Die Muskeln werden in einer Wellenbewegung von vorne unten nach hinten oben bewegt.

Die Terminologien sind im Yoga nicht einheitlich. Daher kann es sein, dass in einer anderen Tradition andere Begriffe für die entsprechenden Mudras benutzt werden.

Pflege Dein Kraft-Zentrum und Du pflegst Deine Seele

Eins starkes Kraft-Zentrum in der Körpermitte kann also nicht nur für eine gute Haltung, Kontinenz und eine erfüllte Sexualität sorgen. Auch die Seele profitiert von der Energie, die dadurch freigesetzt wird. Wer bereits mit den Begleiterscheinungen einer geschwächten Beckenbodenmuskulatur zu tun hatte, wird nach erfolgreichem Training einen enormen Zuwachs an Power und Lebensfreude spüren können.

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