Doing Nothing

Sich dem absichtslosen Hier-Sein vertrauensvoll zu überlassen, für Stunden, manchmal auch Tage, ist unglaublich mutig, ja geradezu kühn – und der Beginn einer Liebesaffäre mit dem Unbekannten.

Es kann herrlich sein, nährend und erfüllend, einfach nur nichts zu tun. Gleichzeitig scheint kaum etwas komplexer, tiefgründiger und schwieriger zu sein. Nichts- tun ist offenbar immer beides: einfach und schwierig, schön und schrecklich, leicht und beinahe unmöglich.

Der stille Raum zwischen dir und den Gedanken

Das Nichttun hält tiefgründige Erfahrungen für uns bereit und hat das Potenzial, uns zu verwandeln. Alles, was es braucht, ist ein Quäntchen heilige Sturheit, denn – soviel ist sicher – die Gewohnheitsmuster unseres Verstandes werden dabei herausgefordert. Vor allem am Anfang können Gedanken wie „Ich weiß nicht, was ich jetzt machen soll“ eine mulmige Stimmung verbreiten. Wer sich davon nicht beeindrucken lässt und entspannt bleibt ist schon mal auf dem besten Weg ins Nichttun. Hierbleiben, sorglos, präsent sein und die Gedanken einfach nur ziehen lassen, ist der erste Schritt ins Offene. Es bedeutet, dem Geist die Erlaubnis zu geben, sich sanft zu weiten und neu zu ordnen.

Du schaust also in die Luft, horchst, nimmst wahr – ohne etwas zu beabsichtigen. Das Ticken einer Uhr, die leisen Geräusche des Hundes, der träumend daliegt und schläft, ein Gefühl von zeitloser Einfachheit. Wenn dein Verstand wieder fragt, was er jetzt machen soll, fällt die Antwort leicht: nämlich nichts. Falls weitere Gedanken folgen, die dieses Nichts infrage stellen wollen, lässt du dich nicht beeindrucken. Weder lässt du dich antreiben, etwas zu tun, noch dazu verleiten, darüber nachzudenken, was zum Teufel du tun könntest.
Und auf einmal rührt sich dein Verstand: „Du verschwendest nur deine Zeit“, sagt er vorwurfsvoll. „Willst du nicht lieber ein Buch lesen oder wenigstens vernünftig meditieren?“ Aber du bemerkst diese Gedanken einfach nur. Und wenn du spürst, mit welchem Gefühl sie „geladen“ sind, erkennst du oft eine Spur von Angst. Doch Moment mal, so fällt es dir dann auf, du sitzt ja einfach nur hier. Es ist absolut ungefährlich. Weder fällt dir der Himmel auf den Kopf, noch fangen die Wände an zu wackeln.

Zum Weiterlesen: Rani Kaluza, Doing Nothing, Kamphausen Media, 18 Euro.

Den ganzen Beitrag finden Sie in unserer Ausgabe bewusster leben 6/2021

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