Fair Fashion

Wir kaufen immer mehr Kleidung – und entsorgen sie meist zu schnell. Das muss nicht sein! Die Pariser Stilexpertin und Autorin des Buches „Dress Vintage Like a Parisian“ Aloïs Guinut erklärt, warum die Qualität der Stoffe und Materialien heute wichtiger ist als flüchtige Modetrends.

Bei einer Shoppingtour mit meinen Schulfreundinnen entdeckte ich einst bei einer preiswerten französischen Kette etwas, was mir gefiel, und ich fragte meine Mutter, ob ich es kaufen solle. Sie riet davon ab, weil sie die Kleidung „zu minderwertig“ fand. Ich kaufte es trotzdem, aber meine Mutter hatte recht – ich hatte nicht lange Freude an dem Teil. Wieso ist das so? Seit dem Aufkommen der Fast Fashion Ende der Neunzigerjahre hat die Qualität der Kleidung stetig abgenommen. Gleichzeitig beschleunigte sich die Trendbildung immer mehr, und qualitativ minderwertige Kleidung überlebt einen Trend kaum. Jahrelang manövrierte der „Mode-Elefant“ ohne dramatische Zwischenfälle durch den Porzellanladen, aber diese ständig wachsende Produktion von minderwertiger Kleidung musste Nebenwirkungen haben. Der Einsturz der Textilfabrik Rana Plaza in Bangladesch im Jahr 2013 kam einem Weckruf gleich: Mehr als tausend Menschen starben allein bei diesem Unfall.

Die Schnelllebigkeit der Mode zerstört unseren Planeten

2015 enthüllte der Dokumentarfilm „The True Cost – Der Preis der Mode“ die verheerenden Auswirkungen der Fast Fashion auf unseren Planeten. Jahrzehntelang hatte man gute Miene zum bösen Spiel gemacht, aber niemand wollte die Verantwortung übernehmen, geschweige denn aktiv dagegenwirken. Mittlerweile behaupten Marken auf der ganzen Welt, die Nachhaltigkeit ihrer Herstellungsprozesse sowie die Arbeitsbedingungen ihrer Angestellten verbessert zu haben. Laut der Greenpeace- Kampagne »Detox« haben die meisten Unternehmen tatsächlich Dinge verbessert, aber es reicht nicht aus. Selbst wenn die Kohlenstoffdioxid-Freisetzung bei der Produktion von Kleidungsstücken verringert wird, kann dies den CO2-Fußabdruck nicht positiv beeinflussen, solange weiterhin Jahr für Jahr und weltweit immer mehr Kleidung fabriziert wird.

Die einzige Möglichkeit, die Modeindustrie umweltverträglicher zu gestalten, besteht darin, weniger zu produzieren, das verrückte Ausrufen von Trends zu bremsen und wieder langlebigere qualitative Produkte herzustellen. Heutzutage prägen die Modewochen sechs Mal pro Jahr neue Looks. Viele Fast-Fashion-Ketten wechseln wöchentlich ihre Kollektionen. Warum sollte man sich angesichts so rapide wechselnder Trends überhaupt um Langlebigkeit bemühen?

Wir müssen den Wert der Qualität neu schätzen lernen

Bei Instagram zählt nur der Look. Nach ein paar Tagen ist das It-Item „zu oft gesehen“ worden, und die Leute gehen zum nächsten über. In meiner Garderobe befinden sich unter anderem ein Kleid aus den späten Achtzigern und ein Baumwollpullover, der früher meiner Mutter gehörte. Diese Stücke waren damals keineswegs Luxusartikel, aber ihre Qualität war und ist immer noch einwandfrei. Vor zwei Jahren kaufte ich ein Kleid von einer bekannten Marke im mittleren Preissegment. Es war nicht billig, aber es fusselte bald und die Nähte lösten sich.

Glücklicherweise erheben sich in der jüngeren Generation immer mehr Stimmen gegen Wegwerfmode. Um die Nachfrage nach qualitativ hochwertigen Slow-Fashion-Artikeln zu befriedigen, entstehen überall auf der Welt junge Marken, die lokal gefertigte, hochwertige und nachhaltige Kleidung produzieren und handwerkliches Können wieder ins Rampenlicht rücken. Qualität bedeutet immer mehr, dass es allen und allem entlang der textilen Kette gut oder zumindest besser geht, meint also Produkte, die ohne Kinder- und Zwangsarbeit, bei Bezahlung gerechter Löhne und ohne schädliche Chemikalien hergestellt werden. Wer seine Garderobe nachhaltiger gestalten möchte, muss bereit sein, in langlebige Stücke zu investieren. Dies setzt jedoch voraus, darüber Bescheid zu wissen, was hochwertige Kleidung ausmacht – die Stoffe, die Techniken und die Details zu kennen. Nehmen wir daher einige Materialien in Bezug auf ihre Umweltverträglichkeit und Nachhaltigkeit genauer unter die Lupe:

Flachs

Leinen ist als Textilfaser vielfältig einsetzbar und vor allem im Sommer beliebt. Leinen wird hauptsächlich aus den Fasern der Flachspflanze (Linum usitatissimum) hergestellt, die bereits vor 30 000 Jahren im Textilbereich verwendet wurde. Heutzutage stammen 80 Prozent der weltweiten Flachspoduktion aus Frankreich und Belgien, wo das Klima für den Anbau ideal ist. Verarbeitet wird das Material jedoch oft anderswo.

Flachs ist robust und perfekt geeignet für den Bio-Anbau, da diese ökologische Naturfaser wegen ihrer natürlichen Eigenschaften so gut wie keinen Dünger oder Pflanzenschutz braucht. Textilien aus Flachs sind ideal für den Sommer, da er kühl und trocken auf der Haut liegt. Die Knittereigenschaft ist bei der heutigen Eco Fashion Mode sogar gewünscht, um ein cooles und lässiges Outfit zu präsentieren.

Woran erkennt man Qualität?
Da Flachsfasern aufgrund ihrer Steifheit schwer zu verarbeiten sind, werden sie oft mit anderem gemischt. Gerne mit Baumwolle (wegen der Weichheit), ebenso mit Seide, wobei die Raffinesse der Seide die Robustheit des Flachses ausgleicht und der Stoff weicher fällt. Grundsätzlich solltest du beim Kauf von Naturfasertextilien möglichst auf Bio-Qualität achten. So unterstützt du eine ökologische Landwirtschaft und den nachhaltigen Umgang mit Ressourcen.

Wie nachhaltig ist Flachs?
Der Anbau von Flachs in seiner heimischen Umgebung (feuchtes ozeanisches Klima) erfordert keine künstliche Bewässerung und verbraucht fünfmal weniger Pestizide als konventionell angebaute Baumwolle.

Den ganzen Artikel finden Sie in unserer Ausgabe bewusster leben 3/2022

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