Die Wechseljahre sind eine Zeit des Wandels und der Veränderung, die positive als auch negative Auswirkungen auf das Wohlbefinden haben kann. Silja Mahlow begleitet dich durch Sinnfragen, Hitzewellen und schlaflose Nächte – und zeigt, wie du den Umbruch als Chance nutzt: hin zu mehr Selbstwahrnehmung und einer neuen Art, zu dir selbst zu stehen.
Die Wechseljahre schleichen sich bei den meisten von uns an. Langsam wird die Jacke des Lebens enger, während wir nicht ahnen, dass wir uns schon mitten in einem Umbruch befinden. Als die ersten Symptome meiner persönlichen Hormonumstellung mit Anfang 40 begannen, war mir nicht klar, dass ich nun in eine Phase des persönlichen Umbruchs, der inneren Befreiung und des Aufräumens eintreten werde. Ehrlich gesagt war mir gar nicht klar, dass Symptome wie Sinnfragen, Unwohlsein, Gewichtszunahme mit dem Start in die Perimenopause zusammenhängen könnten. Erst mit Anfang 50, als die Symptome eindeutiger wurden und Hitzewellen und schlaflose Nächte mich begleiteten, begann ich zu begreifen, dass sich mein Körper in einer tiefgreifenden Veränderung befand. „Wir werden nur außen alt“, hat meine Großmutter einmal gesagt … und das stimmt, oder? Die meisten von uns werden von den Symptomen in der Mitte unseres Lebens überrascht.
Wie lernt man das Älterwerden?
In einer Gesellschaft, die die Jugend verehrt, scheint es fast eine Rebellion zu sein, bewusst und gerne älter zu werden. Dabei gibt es ja keine Alternative. Natürlich können wir uns weiter festklammern an einer von außen erdachten Idee, wie wir zu sein und auszusehen haben. Wir können auf Anti-Aging-Cremes und Botox-Partys setzen (es spricht nichts dagegen) oder es anders angehen. Wir können das Älterwerden lernen, zu umarmen, und die Zeichen dieser Zeit weniger als Strafe, denn als Aufforderung ansehen, endlich noch mehr unseren eigenen Weg zu gehen und nach den eigenen Regeln zu leben.
Es beginnt damit, wie wir mit den typischen Beschwerden umgehen. „Das ist halt jetzt so“, sagte jemand und „da musst du jetzt durch.“ Also wollte ich anfangs genau das: möglichst schnell „durchkommen“. Doch eine reine Symptombehandlung ist ein wenig unbefriedigend. Ich nahm hier ein Mittelchen und schmiert dort etwas und je mehr ÄrztInnen ihre Meinung sagten, umso mehr keimte in mir ein Gedanke: Was, wenn all das für mich ist? Was, wenn mein Körper mir etwas sagen will und ich nur noch nicht verstanden habe, was? Was, wenn die Lösung nicht das Durchkommen, sondern die Veränderung ist?
Eine Zeit des Aufblühens
Mein Körper war für mich lange Zeit entweder Gegenstand meiner Optimierungsversuche (schlanker, schöner) oder Mittel zum Zweck. Ich war genervt, wenn ich krank wurde, und habe ihm im Laufe der Jahre Gifte und Stress zugemutet. Dann kamen all die Symptome. Meine Haut begann, verrückt zu spielen, ich schlief schlecht und nahm zu. Auf der Suche nach den Ursachen fand ich Antworten in der Traditionellen Chinesischen Medizin (TCM). Sie versteht die Zeit der Wechseljahre als einen zweiten Frühling. Eine Zeit des Aufblühens, eine Zeit der größeren inneren Nähe. Es ist ein Umbruch und eine Neuausrichtung. Das Yin nimmt naturgemäß in Perimenopause und Menopause ab, was das innere Gleichgewicht zwischen Yin und Yang aus der Balance bringt. Bleiben wir dann in unserem alten Rhythmus und muten uns weiter Stress und Sorgen zu, so kommt es zu einer sogenannten „Yin-Mangel-Hitze“. Uns wird heiß. In der TCM werden die Wechseljahre dem Metallelement zugeordnet. Dies entspricht im Tagesverlauf dem späten Nachmittag. Es ist die Zeit am Tag, wenn wir das milde Licht des Tages noch auskosten, eine sanfte Melancholie in uns verspüren und vielleicht etwas Müdigkeit empfinden, wenn der Tag zu anstrengend war. So begann ich, meine Symptome genauer zu untersuchen, und entdeckte tiefere Zusammenhänge. Ich lernte, dass meine Hitzewellen stärker waren, wenn ich gestresst war. Meine Haut wurde besser, als ich mich der alten Traurigkeit in mir stellte und vieles mehr. Ich spürte: Unser Körper ist ein Kompass. Er führt uns näher zu uns. Es geht nicht darum, weiterzumachen wie bisher. Es geht darum, es besser zu machen. Nicht für andere – für uns selbst.
Buchtipp: Silja Mahlow, Wechseljahre – Befreiungsjahre, Nymphenburger Verlag, 26 Euro
Den ganzen Artikel findest du in unserer bewusster leben Ausgabe 3/2026



