Gibt es ein schlimmeres Gefühl, als jemanden zu lieben und nicht zurückgeliebt zu werden? Ist das dann überhaupt Liebe oder nur ein Traum, ein Wunsch, eine Flucht vor der Wirklichkeit? Wir sprechen mit der Philosophin Miriam Metze über ihre Erfahrungen mit der unerwiderten Liebe.
Liebe Miriam, was war dein Ausgangspunkt, um über unerwiderte Liebe zu schreiben?
Ich bin wie viele andere auch über eine unerwiderte Liebe gestolpert und habe dann begonnen, mir darüber Gedanken zu machen. Was mich dazu gebracht hat, darüber zu schreiben, war aber etwas anderes. Es waren die Zweifel und Vorbehalte, die es gegenüber der unerwiderten Liebe gibt, – ob sie denn auch wirklich Liebe sei oder nicht etwas ganz anderes. Ich fand es interessant, wie fragwürdig sie anderen erscheint und warum.
„Ich liebe die Liebe, die Liebe liebt mich, doch der Typ, den ich liebe, der liebt mich nicht.“ So heißt es doch. Wie kann ich damit umgehen, wenn meine Liebe nicht erwidert wird?
Vielleicht hilft es, sich von der Vorstellung zu lösen, dass wir es in der Liebe immer nur mit Schönem zu tun haben. Dann fällt es auch leichter, nicht übermäßig zu leiden, wenn sie einmal unerwidert bleibt. Außerdem ist wichtig, sich vor Augen zu halten, dass auch die erwiderte Liebe nicht die vollständige Erfüllung all unserer Wünsche sein wird. Und ob wir jemanden lieben oder geliebt werden, sagt letztlich nichts darüber aus, ob wir unser Leben „richtig“ oder erfolgreich gemeistert haben.
In Ihrem Buch „Unerwiderte Liebe“ schreiben Sie: „Umzingelt von Optimierungszwängen, dem Glauben an Selbstwirksamkeit, Resilienz und Willenskraft ist es fast unumgänglich zu denken, dass Liebe ohne Gegenliebe Ausdruck eines Scheiterns sein muss.“ Ist die unerwiderte Liebe Ausdruck eines Scheiterns?
Ich bin auf meiner Lektürereise auf den frühen Karl Marx gestoßen, der sagte, dass die unerwiderte Liebe eigentlich ein Zeichen einer Ohnmacht sei, also eines Scheiterns, weil sich unsere Liebe als unwirksam herausgestellt hat. So lächerlich dieser Satz für uns heute klingen mag, so wenig sind wir uns dessen bewusst, dass wir in der Gegenwart noch viel stärker in so einem Leistungsdenken gefangen sind. Liebe hat aber eigentlich relativ wenig mit unserer Leistung zu tun, weil sie ja die Freiheit des/der Anderen voraussetzt. Er/Sie kann mich zurücklieben … oder aber auch nicht. Das kann ich weder beeinflussen noch steuern. Denn wäre dem so, wäre das keine Liebe, sondern Manipulation.
Zum Weiterlesen: Miriam Metze, Unerwidert lieben, mairisch Verlag, 24 Euro
Das ganze Interview findest du in unserer bewusster leben Ausgabe 3/2026
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