Mit YOGA den eigenen Weg gehen

Am Anfang steht selten ein Businessplan. Oft beginnt alles nach einer Yogastunde, wenn die Gedanken stiller werden. Plötzlich ist sie da, diese eine Frage: Wie möchte ich leben und welche Rolle soll meine Arbeit darin spielen? Das Leben ist aufgebaut, der Beruf vertraut, Verantwortung gehört längst zum Alltag. Und trotzdem entsteht irgendwann das Gefühl, dass Sicherheit allein nicht mehr genügt. Da ist die Sehnsucht nach einer Arbeit, die nicht nur den Lebensunterhalt sichert, sondern sich stimmig und sinnvoll anfühlt. Gerade in der Lebensmitte wird dieser Wunsch bei vielen Frauen stärker. Was vor zehn oder zwanzig Jahren wichtig war, hat heute vielleicht nicht mehr dieselbe Bedeutung. Man kennt sich besser, weiß deutlicher, was Kraft gibt und was Energie kostet. Und so stellt sich für viele die Frage: Was möchte ich in meinem Leben noch verwirklichen?

Der eigenen Berufung folgen

Yoga kann dabei mehr sein als eine körperliche Praxis. Es kann uns näher zu uns selbst bringen und einen Raum schaffen, in dem wir wieder wahrnehmen, was im Alltag leicht überhört wird. Manchmal wächst daraus der Wunsch, genau das weiterzugeben, was einem selbst wertvoll geworden ist. Doch sobald aus dieser Sehnsucht eine berufliche Idee entsteht, kommen Zweifel: Kann ich jetzt noch einmal etwas Neues anfangen? Lässt sich ein neuer Weg mit Familie, finanzieller Verantwortung und meinem bisherigen Leben vereinbaren? Diese Fragen sind berechtigt. Denn Yoga zu lieben und Yoga zum Beruf zu machen, sind zwei verschiedene Dinge. Wer unterrichten möchte, braucht eine fundierte Ausbildung, Erfahrung und die Bereitschaft, Verantwortung zu übernehmen. Wer daraus eine selbstständige Tätigkeit entwickeln möchte, begegnet zusätzlich praktischen Themen wie Sichtbarkeit, Organisation und Finanzen. Doch bevor all das kommt, braucht es eine andere Entscheidung: die eigene Sehnsucht ernst zu nehmen.

Berufung bedeutet nicht, von heute auf morgen alles hinter sich zu lassen. Oft beginnt der neue Weg ganz behutsam – neben dem bisherigen Beruf, mit einer Ausbildung, einer ersten eigenen Yogastunde, einem Workshop oder wenigen Unterrichtsstunden in der Woche. So bekommt eine Idee die Chance, sich im wirklichen Leben zu bewähren. Gleichzeitig darf auch die wirtschaftliche Seite von Anfang an mitgedacht werden: Wie viel möchte oder muss ich verdienen? Welche Kosten entstehen? Wie viele Stunden kann ich unterrichten, ohne dabei die eigene Kraft aus den Augen zu verlieren? Gerade in der Yogawelt fällt es manchmal schwer, Berufung und Geld miteinander zu verbinden. Doch beides darf nebeneinander bestehen. Eine Arbeit darf Sinn schenken und den Lebensunterhalt sichern. Eine Vision verliert nichts von ihrer Tiefe, wenn sie wirtschaftlich tragfähig wird. Im Gegenteil: Sie bekommt Boden unter den Füßen.

Der erste Schritt zählt

Wer den Wunsch hat, Yoga weiterzugeben, sollte sich zunächst Zeit nehmen, die passende Ausbildung zu finden. Denn Yogalehrerausbildung ist nicht gleich Yogalehrerausbildung. Welche Ausbildungsform passt zu meinem Leben? Wie viel Praxis beinhaltet sie? Gibt es Möglichkeiten, selbst zu unterrichten und Rückmeldung zu bekommen? Und fühle ich mich nach der Ausbildung wirklich darauf vorbereitet, vor einer Gruppe zu stehen?


Aus meiner langjährigen Erfahrung in der Ausbildung von Yogalehrerinnen und Yogalehrern ist für mich vor allem eines entscheidend: Eine gute Ausbildung vermittelt nicht nur Wissen, sie bringt Menschen ins Unterrichten. Deshalb legen wir beispielsweise an der Namaste Yoga Akademie großen Wert auf einen hohen Praxisanteil. Die Teilnehmerinnen lernen nicht nur Asanas, Philosophie, Anatomie und Unterrichtsmethodik. Sie üben von Anfang an, Stunden aufzubauen, anzuleiten und vor anderen zu unterrichten. Denn Sicherheit entsteht nicht allein durch Wissen, sondern vor allem durch Erfahrung. Je häufiger angehende Yogalehrerinnen bereits während ihrer Ausbildung unterrichten, desto selbstverständlicher wird es, später eine eigene Gruppe anzuleiten. So muss nach dem Abschluss nicht erst der Mut für die erste Yogastunde gefunden werden. Der Schritt in die Praxis hat längst begonnen. Es ist genau das der wichtigste erste Schritt, eine Ausbildung zu wählen, die nicht nur ein Zertifikat verspricht, sondern darauf vorbereitet, das Gelernte wirklich weiterzugeben. Denn aus der eigenen Yogapraxis kann der Wunsch entstehen, andere Menschen zu begleiten. Aus diesem Wunsch kann eine Berufung werden. Und aus einer Berufung ein Beruf.


Valbona Merkle ist Gründerin und Leiterin der renommierten Namaste Yoga Akademie Süddeutschland. Seit über 18 Jahren bildet sie Yogalehrerinnen und Yogalehrer fundiert und praxisnah aus und begleitet sie auf ihrem Weg in eine erfolgreiche Lehrtätigkeit. Als Autorin und Expertin veröffentlicht sie regelmäßig Fachbeiträge rund um Yoga, Achtsamkeit und persönliche Entwicklung. In Kürze erscheint ihr neues Buch. namaste-yoga-akademie.de

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