Eine Reise, die mehr hinterlässt als Erinnerungen

Norma und Anika von Wanderwohl über ihre Reise durch die beeindruckende Bergwelt des Himalayas und Begegnungen mit Menschen, deren Geschichten sie bis heute begleiten.

Nepal stand lange nicht auf unserer persönlichen Bucketlist. Dann erreichte uns die Anfrage, gemeinsam mit einer lokalen Reiseagentur eine Reise durch dieses besondere Land zu entwickeln. Eine Reise, die uns in die Himalaya-Berge führen, durch kleine Dörfer und buddhistische Klöster bringen und gleichzeitig Menschen vor Ort unterstützen sollte. Je intensiver wir uns mit Nepal beschäftigten, desto klarer wurde: Wir wollten nicht einfach nur das Land bereisen. Wir wollten bewusst reisen. Mit echten Begegnungen. Und mit dem Wunsch, etwas zurückzugeben. Gemeinsam mit der nepalesischen Reiseagentur Explore Hub Nepal und der deutschen NGO Ashavadi Project e.V. entstand deshalb unser Mindfulness Trekking. 15 Tage, die uns von den lebendigen Straßen Kathmandus bis in die Berge der Langtang-Region führten. Wir wanderten, meditierten, besuchten Tempel und Dörfer, kochten gemeinsam mit Frauen aus Kirtipur und lernten ein nepalesisches Team kennen, das uns mit seiner Herzlichkeit, seinem Humor und seiner Stärke tief beeindruckt hat. In den Bergen wurde vieles leiser. Zwischen Gebetsfahnen, alten Tempeln und stillen Morgen entstand Raum wirklich anzukommen. Unsere Wanderungen wurden mehr als eine sportliche Herausforderung. Sie wurden zu einem achtsamen Unterwegssein – mit der Natur, mit anderen Menschen und mit uns selbst. Doch eine Begegnung in Kathmandu sollte uns besonders nachhaltig beschäftigen.

Wenn bewusstes Reisen bedeutet, hinzusehen

Ein großer Teil des Gewinns unserer Reise floss in ein Projekt, das Frauen in besonders schwierigen Lebenssituationen unterstützt. Gemeinsam mit der nepalesischen Partnerorganisation Fusion Nepal hatte das Ashavadi Project e.V. im Balkhu-Slum in Kathmandu eine Schneiderausbildung für Frauen ermöglicht. Wir wollten sehen, wo und wie diese Unterstützung ankommt. Was wir dort erlebten, hat uns tief getroffen. Im Balkhu-Slum lebten hunderte Familien unter extrem schwierigen Bedingungen. Viele Menschen teilten sich kleinste Behausungen. Der Zugang zu sauberem Wasser war eingeschränkt, der nahegelegene Fluss überschwemmte regelmäßig das wenige Hab und Gut. Besonders Frauen und Kinder waren von Armut, Gewalt und Perspektivlosigkeit betroffen. Wir hörten Geschichten, die schwer auszuhalten waren. Geschichten von Frauen, die seit ihrer Kindheit Gewalt und Missbrauch erlebt hatten. Von Menschen, die kaum eine Möglichkeit hatten, ein eigenes Einkommen zu erzielen und sich ein selbstbestimmteres Leben aufzubauen. Ganz ehrlich: Ein Teil von uns wollte in diesem Moment am liebsten wieder weghören und wegsehen. Und gleichzeitig waren da diese Frauen. Frauen, die eine Ausbildung zur Schneiderin absolviert hatten. Frauen, die gelernt hatten, Kleidung herzustellen und damit Geld zu verdienen. Frauen, die sich mit großer Kraft und sichtbarem Stolz eine Perspektive aufbauten Besonders berührend war nicht nur ihre Dankbarkeit. Es war vor allem ihre Stärke. Hier wurde deutlich, was nachhaltige Unterstützung bedeuten kann: nicht nur kurzfristig etwas zu geben, sondern echte Chancen zu schaffen. Eine Ausbildung. Ein eigenes Einkommen. Mehr Selbstbestimmung.

Ein Ort, den es nicht mehr gibt

Während wir diesen Artikel schreiben, hat sich die Situation vor Ort dramatisch verändert. Der Balkhu-Slum, den wir während unserer Reise besucht haben, wurde inzwischen abgerissen. Hunderte Familien haben ihr Zuhause verloren – von einem Tag auf den anderen. Ihre Unterkunft, ihre Sicherheit und ihre ohnehin fragile Lebensgrundlage. Wir können und wollen die komplexen Hintergründe dieser Situation an dieser Stelle nicht vollständig erklären. Aber wir können nicht so tun, als hätten wir diesen Ort nie gesehen. Wir waren dort und haben die Menschen getroffen. Wir haben gesehen, unter welchen Bedingungen sie leben mussten. Und wir wissen heute, dass viele von ihnen noch dringender Unterstützung benötigen als zuvor. Nepal hat uns verändert. Nicht nur wegen der Schönheit der Himalaya-Berge oder der besonderen Spiritualität des Landes. Sondern vor allem wegen der Menschen, denen wir begegnen durften. Diese Reise hat uns gezeigt, dass bewusstes Reisen nicht bedeutet, nur schöne Orte besonders achtsam zu erleben. Manchmal bedeutet es auch, hinzusehen, wenn etwas schwer auszuhalten ist. Sich berühren zu lassen und dabei die eigenen Privilegien zu erkennen. Und natürlich sich zu fragen: Was kann ich tun ?

Das Ashavadi Project e.V.

Und wir können Menschen unterstützen, die sich mit unglaublicher Kraft eine bessere Zukunft aufbauen wollen. Das Ashavadi Project e.V. und seine Partnerorganisationen setzen sich dafür ein, Frauen in Nepal durch Bildung und Ausbildung neue Perspektiven zu eröffnen. Die Schneiderausbildung ist ein Beispiel dafür. Gerade sind das neue Ausbildungsprojekt „Snack Making“ und eine psychologische Beratungsrunde gestartet, um weiteren Frauen zu helfen, ein eigenes Einkommen zu erzielen, unabhängiger zu werden und die Chance auf ein selbstbestimmtes Leben zu ermöglichen.
Wenn Du diese Arbeit unterstützen möchtest, freuen wir uns sehr, wenn Du Dich über das Ashavadi Project e.V. informierst und die Projekte mit einer Spende unterstützt. Denn Nepal hat uns viel gegeben. Vielleicht können wir gemeinsam ein kleines Stück zurückgeben. Wir würden uns sehr freuen!
Anika & Norma von WanderWohl
www.wanderwohl.de

wie kann ich helfen? – Ashavadiproject
Spendeninfo: Kontoinhaber: Ashavadi Project e.V.
IBAN: DE41 8306 5408 0005 2664 08

Mehr Informationen zur aktuellen Situation und zu den Projekten findest Du bei Ashavadi Project e.V.

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