Sag ja zum NEIN!

0

Sagen Sie auch automatisch ja, wenn man sie um einen Gefallen bittet –
und hadern hinterher mit sich. Warum ist das so und warum fällt uns ein NEIN so schwer? Veronika Schantz zeigt konkrete Wege aus der Nettigkeitsfalle.

Als der Busfahrer Rosa Parks am 1. Dezember 1955 aufforderte, ihren Sitzplatz einem Weißen zu überlassen, sagte sie: „Nein!“ Er drohte ihr, falls sie nicht aufstehe, die Polizei zu rufen und sie verhaften zu lassen. Sie antwortete: „Tun Sie das.“ Die folgende Nacht verbrachte die 42-jährige schwarze Näherin aus Montgomery, Alabama im Gefängnis. Doch die Nachricht von ihrer Verhaftung verbreitete sich wie ein Lauffeuer. Bürgerrechtler organisierten einen Busboykott, bis schließlich diese Art der Rassentrennung für verfassungswidrig erklärt wurde. In ihrer Autobiografie schrieb Parks später, dass sie es einfach satt gehabt hätte, ständig nachgeben zu müssen. Hinter ihrem mutigen Nein verbarg sich ein entschiedenes Ja zu den eigenen Werten und Bedürfnissen. Dafür verlieh ihr Präsident Clinton 1996 die Freiheitsmedaille, die höchste zivile Auszeichnung der USA.

Ja-Sageritis

Haben Sie es auch satt, ständig nachzugeben? Obwohl Ihnen in der Regel keine Gefängnisstrafe droht, trauen Sie sich nicht, die täglich an Sie herangetragenen Wünsche und Bitten, mit einem klaren Nein zu beantworten? Laut einer Emnid-Umfrage sagen mehr als 80 Prozent aller Deutschen zu oft ja, um sich im Nachhinein darüber zu ärgern. „Kannst du mal kurz …?“, „Würden Sie bitte…?“ fragen Partner, Chefin, Nachbar oder Kollegin, und schon sitzen wir im falschen Film, machen unbezahlte Überstunden, füttern den Kanarienvogel und erledigen fachfremde Aufgaben. 14 Prozent haben selbst ihrem Hund gegenüber Probleme, Nein zu sagen. Woher kommt diese Ja-Sageritis?
Ein freundliches Ja ist das Schmieröl unseres Gesellschaftsgetriebes. Als soziale Wesen sind wir auf die Hilfe anderer angewiesen. Wer andere unterstützt, darf sich hilfreich, edel und gut fühlen. Viele Studien belegen, dass Altruismus glücklich macht. Warum dann dieser fade Beigeschmack, wenn ich mich bereit erkläre, den Brötchenverkauf beim
D-Jugend-Turnier zu übernehmen? So ein reflexartiges Ja erscheint zunächst einmal bequemer, als sich dem mutmaßlichen Shitstorm fanatischer Fußballmütter entgegenzustellen, für die es keine befriedigendere Samstagsbeschäftigung gibt, als in einer nach verschwitzten Trikots und verkochten Würstchen müffelnden Turnhalle, präpubertäre 12-Jährige zu verköstigen.

Wege aus der Nettigkeitsfalle

„Wir tragen eine große Angst mit uns herum, die uns einredet, niemand hätte uns mehr lieb, wenn wir mal nicht nett sind“, betont Kommunikationstrainerin und Autorin Nele Süß. Mit einem ja beweisen wir, dass wir weder egoistisch, noch herzlos sind, ersparen uns Schuldgefühle und sichern uns Dankbarkeit, bewahren scheinbar Harmonie und brauchen uns vor Liebesentzug und anderen unliebsamen Konsequenzen nicht zu fürchten. Alles wäre perfekt, ginge diese Art des ja nicht einher mit lästigem Bauchgrummeln, angespannten Kiefermuskeln und einem fetten Kloß im Hals.

Den ganzen Artikel finden Sie in unserer Ausgabe bewusster leben 1/2019

 

Share.

Hinterlass eine Antwort