Warum bin ich wie ich bin?

Der Kiefer spannt, der Nacken schmerzt, der Magen drückt? Solche körperlichen Reaktionen in Stresssituationen können auch mit Erfahrungen unserer Vorfahren zusammenhängen. Jessica Lenz verbindet Erkenntnisse aus der modernen Epigenetik mit der uralten Weisheit der Ahnenarbeit und zeigt, wie wir die Signale unseres Körpers nutzen können, um Spannungen zu lösen und ungeahnte Ressourcen zu entdecken.

Ich habe keine Ahnung, warum ich so ängstlich bin.“ „Ich weiß auch nicht, warum ich immer wieder so reagiere.“ Solche Gedanken kennen wir doch alle. Vielleicht wachen wir auch jeden Morgen mit Schmerzen in den Kiefergelenken und im Nacken auf, weil wir so angespannt sind. Natürlich ist es wichtig, akute körperliche und psychische Ursachen abzuklären. Zugleich lohnt es sich aber auch, den Blick zu weiten und über unser eigenes Leben hinaus auf das unserer Vorfahren zu schauen. Denn die Wissenschaft der Epigenetik hat inzwischen nachgewiesen, dass Umweltfaktoren, Erfahrungen, Krankheiten und Traumata, die unsere Vorfahren erlebt haben, auch unsere Gene beeinflussen.

Wir können vieles selbst verändern

Insbesondere die letzten zwei bis drei Generationen vor uns sind prägend für unser Verhalten und unsere Gesundheit. Sie machen, wie Studien zeigen, zwischen 30 und 60 Prozent aus. „Das erklärt, warum bestimmte Verhaltensmuster oder auch unbewusste Ängste über viele Generationen hinweg bestehen bleiben können“, so die psychologische Beraterin Jessica Lenz in ihrem Buch „Die Wende beginnt in Dir“. Dabei werden die beeinflussenden Umweltfaktoren und Erfahrungen nicht direkt in die DNA eingeschrieben. Die Mechanismen der Epigenetik fungieren vielmehr wie „kleine Anmerkungen am Rand unserer DNA, die steuern, welche Gene aktiviert werden und welche nicht“. Diese Markierungen können dann von Generation zu Generation weitergegeben werden. Manche verblassen auch im Laufe eines Lebens, andere werden überschrieben. Das zeigt: Wir sind ihnen keinesfalls ausgeliefert. Wir können sie vielmehr durch neue Erfahrungen und Einflüsse verändern. Denn nicht nur negative Erfahrungen wie Traumata können Spuren hinterlassen. Positive Erfahrungen wirken genauso stark. Zum Beispiel zeigte sich im Rahmen einer 2020 in der Fachzeitschrift Translational Psychology veröffentlichten Studie, dass schon wenige Wochen täglicher Meditation bei den Teilnehmenden zu epigenetischen Veränderungen in Genen führten, die Stress und Entzündungen regulieren. Sogar die Kinder der Teilnehmenden wiesen ähnliche positive Markierungen auf.

Körper, Bewusstsein und vererbte Muster

Für Jessica Lenz folgt daraus: Durch Bewusstheit und „indem wir unsere emotionalen Bedürfnisse ernst nehmen“ sowie dadurch, dass wir Praktiken wie Achtsamkeit, Bewegung und Selbstfürsorge in unser Leben integrieren, schreiben wir das Buch der DNA neu. Zugleich macht die Epigenetik uns bewusst, dass unser Körper viel mehr ist als nur ein Gefäß für Psyche und Geist.
„Dein Körper ist oft ehrlicher als dein Verstand“, stellt Jessica Lenz fest. „Er zeigt dir über Empfindungen, wo uralte Muster noch aktiv sind. Wenn du Enge, Druck oder Zurückhaltung spürst, ist das ein Zeichen deines Körpers.“ Vielleicht war es in der Familie zum Beispiel üblich, Gefühle oder Intuitionen herunterzuspielen, und wir haben dann oft zu hören bekommen: „Sei vernünftig“ oder „Übertreib nicht“. Und womöglich gab es Tabuthemen, über die konsequent geschwiegen wurde.
Acht solcher „transgenerationalen Urmuster“ macht Jessica Lenz aus, und „jeder Mensch trägt Fragmente davon in sich. Manche mehr, manche weniger.“

Zum Weiterlesen: Jessica Lenz,Die Wende beginnt in Dir, Königsfurt Urania Verlag, 22 Euro

Den ganzen Artikel findest du in unserer bewusster leben Ausgabe 3/2026

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