Der wedelnde Buddha

Glücklich den Moment genießen und das tun, wonach einem der Sinn steht: Was für uns Menschen einiges an Übung erfordert, ist für Hunde selbstverständlich. Die ­Bestsellerautorin Michaela Seul hat im Zusammenleben mit ihrem tierischen Begleiter Flipper viel über die Umsetzung buddhis­tischer Lehren erfahren.

Zu den Stressoren, von denen wir moderne Menschen uns aus der Balance bringen lassen, gehört leider auch der Zwang zum Glücklichsein. Um das Glück ist ein regelrechter Wettbewerb entbrannt. Es ist ein „Must-have“ geworden. Wer nicht glücklich ist, ist selbst schuld und ein Versager, so kann es einem schon vorkommen. Glücklich sein wollen wir alle. Von einem Höhepunkt zum nächsten. Alles muss superhammermegatoll sein. Wie anstrengend.

Meine Oma hat auf die Frage, wie es ihr geht, häufig gesagt: „Ich bin zufrieden.“ Das fand ich immer schrecklich. Zufrieden klang nach lauwarmem Haferbrei. Ich wollte vom Hafer gestochen werden: alles aus den Vollen, total verliebt, total begeistert, total megasuper. Aber man wird älter. Und klüger. Einige Male habe ich es jetzt schon gesagt: „Ich bin zufrieden.“ Und es war gar nicht schlimm – im Gegenteil. Danach war nämlich etwas wirklich Hammerkrasses passiert: Kaum ausgesprochen, spürte ich, dass ich glücklich war!

Ein Packerl Selbstbewusstsein

Auch mein Hund Flipper ist nicht ständig megaglücklich. Doch wenn er seinen Hobbys nachgeht, wedelt der Propeller, als würde der ganze Hund gleich abheben. Er liebt die Nasenarbeit, konzentriert nach Gegenständen und Menschen zu suchen. Letzteres nennt man Mantrailing. Wird er fündig, wächst er schier über sich hinaus. Die Rute schwingt noch höher, das Gesicht scheint zu grinsen, geflutet von prickelndem Dopamin: der ganze Kerl ein Packerl Selbstbewusstsein. Das könnte er gar nicht ständig aushalten, da würde es ihn zerreißen. Und ständig glücklich zu sein, verträgt sich auch nicht mit dem Menschsein. Dies ist eine zentrale Botschaft des Buddhismus.

Was ich von meinem Hund über das Leben lernte

Die Weisheitslehre, die uns einen faszinierenden und logischen Weg zum Glück aufzeigt, sagt gleichzeitig: Leben bedeutet Leiden, ganz einfach, weil unser Leben in einem physischen Körper stattfindet. Laut buddhistischer Überzeugung sind wir nicht Menschen, die spirituelle Erfahrungen sammeln, sondern spirituelle Wesen, die die Erfahrung des Menschseins machen. Das Leben in unserem physischen Körper bedeutet von Anbeginn an Leid. Mit Schmerz beginnt das Leben, mit Schmerz endet es und dazwischen gibt es auch jede Menge Unannehmlichkeiten, da der Körper ständig etwas braucht: Trinken, Essen, Verdauung, Wärme, Schlaf … und das sind erst die elementaren Bedürfnisse, da sprechen wir noch nicht vom neuesten iPhone, dem Hammer Segelturn und dem Traummann.
Michaela Seul

Zum Weiterlesen:
Michaela Seul, Der wedelnde Buddha, Goldegg Verlag, 19 Euro

Den ganzen Artikel finden Sie in unserer bewusster leben Ausgabe 4/2025

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