Winterglück in den Bergen

Wenn der Schnee die Welt in Stille hüllt, entsteht Raum für neue Kraft. Ob beim achtsamen Winterwandern, Waldbaden oder an besonderen Orten in den Bergen … der Blick wird wieder frei für das, was wirklich zählt.

Ein verschneiter Wald, der im Morgenlicht silbern schimmert; der eigene Atem, der als kleine Wolke vor dem Gesicht steht; das Knirschen der Schritte im Schnee; ein Bach, der unter einer dünnen Eisschicht weiterfließt: Die Berge inspirieren uns dazu, über die Kraft der Ruhe, die Vergänglichkeit und die scheinbare Stille der Natur nachzudenken. Und es ist genau diese Mischung aus Stille und Ursprünglichkeit, die einen Winteraufenthalt in den Bergen so wohltuend macht.

Langsam gehen, bewusst ankommen

Es gibt einen Moment beim Winterwandern, den viele erst nach einigen Minuten bemerken. Zunächst ist da noch der Alltag – Termine, Nachrichten, Gespräche und unerledigte Dinge. Dann setzt man einen Fuß in den Schnee, hört das Knirschen unter den Sohlen und geht weiter. Nach und nach wird der Rhythmus gleichmäßiger, die Schultern sinken, der Atem wird bewusster. Die Aufmerksamkeit wandert zwischendurch zu den Spuren eines Tieres, zu den Ästen einer Fichte, auf denen Schnee liegt, und zu dem Licht, das zwischen den Stämmen hindurchfällt. Winterwandern muss dabei keine sportliche Leistung sein. Gerade ein langsames Tempo ermöglicht es, die Umgebung wahrzunehmen. Ein geräumter Winterweg am See, ein Spaziergang durch ein verschneites Tal oder ein kurzer Weg zu einer Kapelle können zu kleinen Übungen in Achtsamkeit werden.

Drei ruhige Atemzüge

Es geht nicht darum, möglichst weit zu gehen, sondern wirklich dort zu sein, wo man gerade ist. Ein einfacher Impuls kann helfen: Gehe die ersten zehn Minuten deiner Wanderung ganz bewusst und langsam. Kein Blick auf die Uhr, kein Ziel vor Augen – nimm nur deine Schritte wahr. Wie fühlt sich der Boden unter den Füßen an? Wie verändert sich das Geräusch des Schnees, wenn der Untergrund fester oder weicher wird? Wie kalt ist die Luft auf der Haut?
Auch der Atem kann zum Anker werden: einatmen, den kalten Duft des Waldes wahrnehmen; ausatmen, die Schultern entspannen; nicht gegen die Kälte ankämpfen, sondern sie einfach wahrnehmen. Wer möchte, kann an einem schönen Aussichtspunkt eine kleine Übung einbauen: Drei ruhige Atemzüge, den Blick weit werden lassen und dabei bewusst fünf Dinge wahrnehmen, die zu sehen sind. Danach vier Geräusche. Schließlich eine körperliche Empfindung – vielleicht die Wärme der Hände in den Handschuhen oder die Kälte an den Wangen. Das klingt einfach, doch die Wirkung ist beachtlich.

Den Duft des Waldes wahrnehmen

Das sogenannte Waldbaden steht für einen bewussten, entschleunigten Aufenthalt im Wald. Dabei geht es nicht darum, eine bestimmte Strecke zurückzulegen; der Wald wird vielmehr mit allen Sinnen wahrgenommen. Im Winter erhält diese Erfahrung eine ganz eigene Qualität. Die Farben reduzieren sich: Braun, Weiß, Grau und dunkles Grün bestimmen das Bild. Dadurch fallen kleine Details stärker auf: rote Beeren unter einer Schneeschicht, Flechten auf einem Stamm, die feinen Linien eines gefrorenen Zweiges. Auch die Geräuschkulisse verändert sich. Der Schnee schluckt manche Geräusche und verstärkt zugleich die Wahrnehmung der eigenen Schritte.

Fünf Minuten stilles Gehen

Für ein winterliches Waldbad braucht es keine spezielle Route. Schon zwanzig bis sechzig Minuten reichen aus. Das Tempo darf so sein, wie es sich gut anfühlt. Vielleicht beginnt der Weg mit fünf Minuten stillem Gehen. Danach folgt eine bewusste Pause an einem Baum. Anschließend kann man die Hand auf die Rinde legen, wenn es angenehm ist; den Duft des Waldes wahrnehmen und nach oben schauen. Dann weitergehen, ohne ein bestimmtes Ziel zu verfolgen. Wissenschaftliche Untersuchungen zu Waldaufenthalten und Waldbaden weisen auf zahlreiche positive Effekte auf das psychische Wohlbefinden hin.
Barbara Altherr

Zum Weiterlesen:
Emilia Sophie Plock, Die Antwort bist Du Eine Erinnerung an dein ganzes Leben, Königsfurt-Urania Verlag, 24 Euro

Den ganzen Artikel findest du in unserer bewusster leben Ausgabe 6/2026

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