Raus aus dem Tief

Nicht immer läuft das Leben nach Plan. Krisen können uns treffen – mal vorhersehbar, mal völlig unerwartet. Die Psychologin Anke Precht erklärt, wie wir auch in stürmischen Zeiten innerlich stabil bleiben.

Wenn du die Morgenröte sehen willst, musst du durch die Nacht wandern.“ An diese Worte des Dichters und Philosophen Khalil Gibran denke ich oft, wenn mein Leben durch eine Krise geht, durch eine Zeit der Orientierungslosigkeit, der Hilflosigkeit oder des Verlusts. Dann stell ich mir die Frage: Was tut deiner Seele jetzt besonders gut? Und welche Erfahrungen kannst du nutzen, um dich selbst wieder zu stärken und herauszufinden, was du wirklich brauchst?

Krisen sind Blüh­beschleuniger

Wie du am besten mit Krisen umgehen kannst, hängt davon ab, in welcher Lebenssituation du dich momentan befindest. Du solltest dich daran erinnern: Krisen sind mächtige Heiler. Sie fegen Altes hinweg. Oft werden wir aus dem Gewohnten ganz plötzlich in eine Krise gestoßen. Wenn du annehmen kannst, was geschieht – egal, ob du es wolltest oder nicht –, wenn du nicht dagegen ankämpfst, loslassen kannst, was verloren ist, und mutig ins Unbekannte springst, dann ist ein solcher Sprung bereits der Wendepunkt. Dann erfasst ein Energieschub deine Seele, und Fähigkeiten, die schon lange in dir angelegt waren, brechen schlagartig auf. Du fühlst dich plötzlich stark, glücklich trotz all der Unsicherheiten und Ängste. Auf einmal hast du kreative Ideen und begegnest neuen und inspirierenden Menschen. Du triffst mutige Entscheidungen, vor denen du dich vielleicht schon lange gedrückt hast. Du reißt Altes ein, trennst dich von Unerträglichem, startest Projekte, die schon lange auf ihre Umsetzung gewartet haben, verliebst dich vielleicht neu oder löst Probleme, die dir früher unlösbar erschienen. Gesundheitliche Probleme verschwinden oder belasten weniger, du hast genug Energie, um gut für dich zu sorgen – kurz gesagt: Krisen sind Glücksfälle, die schmerzen. Eine Einladung zu neuer Lebendigkeit und Blühbeschleuniger für deine Seele.

Annehmen – auch wenn es Angst macht

Auf einmal fällt es dir leicht: Annehmen, wo es hingeht, auch wenn es Angst macht. Entscheiden, auch wenn du nicht weißt, welche Konsequenzen die Entscheidungen haben. Jemanden lieben, auch wenn er überhaupt nicht ins alte Bild passt. Etwas loslassen, das lange vertraut war oder wovon du dachtest, dass du es brauchst. Dahin gehen, wo es dein Herz hinzieht, auch wenn die Vernunft Alarm schlägt. Die Leidenschaft spüren, die wieder auftaucht, und ihr folgen. Das Leben annehmen und genau das tun, womit es sich am lebendigsten anfühlt. Manche Menschen wechseln den Job, während andere im Außen nichts verändern. Aber im Innern, da verändert sich alles. Und es reicht vollkommen, wenn du nicht gegen diese Kraft ankämpfst.

Die Seele wieder zum Strahlen bringen

Aber viele Menschen befinden sich in einem Zustand, der weit entfernt ist von der transformierenden Kraft einer Krise. Stattdessen verharren sie in einem Zustand des Stillstands, fast wie gelähmt: Es fehlt an Energie, nichts kommt in Bewegung, und auch sie selbst verspüren keinen Impuls, sich zu bewegen – zumal unklar ist, wohin überhaupt.

Zum Weiterlesen: Anke Precht, Der Burnout-Notfallkoffer, Trias Verlag, 20 Euro

Den ganzen Artikel findest du in unserer bewusster leben Ausgabe 2/2026

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