Angekommen im Glück

Vier Kater, sieben Kühe, neun „Schwafe“ und ein Leben voller Herausforderungen: Madeleine Becker hat sich gemeinsam mit ihrem Partner auf einem kleinen Hof in der Steiermark ihren Traum vom Landleben erfüllt. Ihre Geschichte erzählt von Mut und der Sehnsucht nach einem Leben im Einklang mit der Natur

Zitronengelbe Gummistiefel und ein blau-weiß kariertes Hemd gehören zu ihrem Lieblingsoutfit und sind längst zu ihrem Markenzeichen geworden. Die 34-jährige Madeleine Becker liebt es, mit Kühen zu kuscheln, in ihrem Gewächshaus Tomaten, Gurken und Zucchini zu ziehen und mit ihren vier Katern durch den Wald zu streifen. Sie schwärmt für den Sommer und für Gewitter, verschlingt Bücher, schaut gern Actionfilme, hört Musik von Billie Eilish bis Fleetwood Mac und schreibt Listen aller Art.
Doch vor einigen Jahren sah ihr Leben noch ganz anders aus. Im Jahr 2018 brach Madeleine zu einem Roadtrip von Jena nach Österreich auf, ohne zu ahnen, dass diese Reise den Beginn eines neuen Lebensabschnitts markieren würde. Auf einem Bauernhof in Kärnten blieb sie schließlich hängen. Sie verliebte sich in die Bergwelt, das Landleben und die Tiere. Als sie einige Monate später für ein Praktikum zurückkehrte, eroberte Lukas ihr Herz – der Sohn der Bauernfamilie und gelernte Landwirt.

Stadt, Land, Liebe

Nach einem halben Jahr fasste Madeleine einen mutigen Entschluss: Sie zog zu Lukas aufs Land – und blieb. Seitdem verbringt sie, wie sie selbst mit einem Augenzwinkern sagt, „gefühlt 99 Prozent ihres Lebens in Gummistiefeln“. Sie lernte Traktor fahren und melken, obwohl sie als Veganerin selbst keine Milch trinkt. Sie half bei der Heuernte, begleitete den Almauf- und -abtrieb und wachte nachts bei der Geburt von Kälbchen. Schnell erkannte sie, dass jede Kuh ihre eigene Persönlichkeit hat. Mit all ihren Vorlieben, Eigenheiten und liebenswerten Macken. Es gibt geborene Anführerinnen, Quatschmacherinnen, Mitläuferinnen, Rebellinnen und stille Außenseiterinnen. Besonders die Schwächeren, die in der Herdenhierarchie ganz unten stehen, liegen ihr am Herzen. Eine Form von Mitgefühl, für die viele traditionell geprägte Landwirte wenig Verständnis aufbringen. Vier Jahre lang lebte Madeleine auf dem Familienhof mit.

Endlich angekommen

Als das Zusammenleben mehrerer Generationen auf dem Familienbauernhof in Kärnten zunehmend schwierig wurde, suchten Lukas und Madeleine nach einem eigenen Weg. 2023 zogen sie schließlich auf einen kleinen Hof in der Weststeiermark. In ihrer „Wald-WG“, wie sie ihr Refugium liebevoll nennen, dürfen die Tiere einfach nur sein. Die sieben Kühe werden nicht gemolken, die neun „Schwafe“ – eine charmante Mischung aus Schaf und Wollschwein – sowie die drei Kaninchen sind vor dem Schlachter sicher. Und aus zwei Katern sind im Laufe der Jahre vier Stubentiger, Gartentiger, Stalltiger und Waldtiger geworden. Nur die elf Hühner tragen ihren Teil zum Lebensunterhalt bei und legen fleißig Eier.

Eine Menge Arbeit bis zur Traumlocation

Über sie wacht der Admiral, der Hahn des Hofes, der seine Schar aufmerksam vor dem Bussard beschützt. Zwischen Wald und Streuobstwiesen, meterhohen Brombeerhecken und Blauem Regen, neuem Schwafstall mit „w“ und dem kleinen alten Bauernhaus am Hang fühlt sich Madeleine endlich angekommen. „Der Moment, in dem die Kühe zum ersten Mal durch das hüfthohe Gras auf unserer Waldweide streiften, wird mir wohl für immer in Erinnerung bleiben. An jenem Montagabend stand die Sonne gerade so tief, dass sie den Hof wieder in das goldene Licht tauchte, das ich mit der Zeit so sehr in mein Herz schließen würde“, erinnert sie sich. „Und wenn man angekommen ist, muss man nirgendwo anders mehr hin. Dann hat man Zeit. Und zwar alle Zeit der Welt“, schwärmt sie.

Zum Weiterlesen:
Madeleine Becker, Gekommen, um zu bleiben, Goldmann Verlag, 18 Euro

Den ganzen Artikel findest du in unserer bewusster leben Ausgabe 4/2026

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