Es beginnt mit einem NEIN!

Warum Selbstfürsorge kein Egoismus ist, finanzielle Unabhängigkeit der Schlüssel zu echter Selbstbestimmung und es höchste Zeit ist, aufzuhören, es allen recht machen zu wollen. Ein Plädoyer für starke Frauen von der Anwältin und Bestsellerautorin Saskia Schlemmer.

Wir Frauen haben ein generelles Problem: Wir fühlen uns viel zu oft für alles und jeden verantwortlich. Wir kümmern uns und wir übernehmen Verantwortung. Vor allem aber stellen wir die Bedürfnisse anderer über unsere eigenen. „I don’t care.“ Diesen Satz sollten wir deshalb viel öfter sagen. Vor allem aber sollten wir ihn viel öfter fühlen und in die Tat umsetzen. Denn genau dort beginnt echte Selbstbestimmung und die Chance, sich selbst nicht auf dem letzten Platz der To-do-Liste zu platzieren. „I don’t care“: Genau dieses To-do wird von uns entweder gar nicht oder aber stiefmütterlich behandelt.

Wir sollten öfter „I don‘t care“ sagen

Viele Frauen kennen dieses Gefühl: Sie tragen Verantwortung – für andere, für den Alltag, für das große Ganze. Sie kümmern sich, organisieren, halten zusammen und stellen dabei nicht selten die eigenen Bedürfnisse hintenan. Eine Weile mag das funktionieren. Doch wer sich selbst dauerhaft an die letzte Stelle setzt, riskiert, irgendwann in einem Leben aufzuwachen, das mit den eigenen Wünschen und Vorstellungen kaum noch etwas zu tun hat. Das Leben verläuft selten geradlinig, und jeder von uns trägt sein eigenes Päckchen. Doch wir sollten uns bewusst machen: Wer vom eigenen Weg abbiegt, nur weil es für andere die bequemere Variante ist, entfernt sich damit ein Stück von sich selbst. Und wer das immer wieder tut, läuft Gefahr, sich irgendwann selbst zu verraten.

Warum wir so selten für uns einstehen

Zugegebenermaßen erfüllen wir mit unserer Kümmer- und Verantwortungsmentalität genau die Rolle, die die Gesellschaft über Jahrzehnte für uns Frauen vorgesehen hat und ja, die sie teilweise bis heute noch für uns vorsieht. Die meisten Frauen kennen noch immer die Rolle der Selbstlosen: Sie stehen in der zweiten Reihe, tragen selbstverständlich Verantwortung für die Familie und stellen die eigenen Bedürfnisse, nicht selten auch die eigene finanzielle Unabhängigkeit, hinten an.
Wer nun einwendet, dass dies im Jahr 2026 doch längst nicht mehr dem Rollenbild von Frauen entsprechen könne und Frauen in Deutschland schließlich gleichberechtigt seien, dem sei eines entgegnet: Gesetzliche Gleichstellung ist nicht dasselbe wie gelebte Gleichberechtigung.
Ein Blick in die Geschichte macht deutlich, wie tief diese Prägungen reichen. Über Jahrhunderte war die Ehe für Frauen nicht nur eine private Lebensentscheidung, sondern vielfach der entscheidende Weg zu gesellschaftlicher und wirtschaftlicher Absicherung – und damit zu einem besseren sozialen Status.

Schluss mit der Nettsein-Mentalität

Wer lieb, nett und angepasst war, hatte selbstredend die besseren Chancen. Die Vorzeigehausfrau, die heute durch den Tradwife-Trend teilweise wieder als Idol auflebt, die dem Mann den Rücken freigehalten hat und die zu Hause am Herd glücklich und zufrieden war und sich einfach daran erfreute, einen tollen Mann an ihrer Seite zu wissen.
Stellen wir uns doch einmal vor, diese Frauen hätten in ihrer damaligen Rolle einfach mal gesagt: „Heute kannst du selber kochen und die Kinder ins Bett bringen, wenn du von der Arbeit kommst.“ Ein verbaler Ausraster wäre wohl mehr als wahrscheinlich gewesen. So etwas Unartiges wollte sicherlich niemand an seiner Seite haben.

Zum Weiterlesen:
Saskia Schlemmer, Nimm dir endlich, was dir zusteht, Mosaik Verlag, 20 Euro

Den ganzen Artikel findest du in unserer bewusster leben Ausgabe 5/2026

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