Leinen los

Endlich einen Segelturn wagen. Eine Boutique eröffnen. Einmal auf der Bühne stehen. Emanuel Koch zeigt in fünf Schritten, wie wir ins Handeln kommen

Die Vorstellung, einen Lebenstraum umgesetzt zu haben, ist wunderbar. Menschen, die von ihrer Vision erzählen, bekommen ein Leuchten in ihren Augen. Ich bin jedes Mal innerlich bewegt, wenn Menschen sich gestatten, zu träumen.
Die Realisierung unserer Vorhaben gestaltet sich jedoch oft als schwierig. Denn wenn unsere Lebensträume so einfach zu erreichen wären, hätten wir sie wohl schon längst umgesetzt. Ich sehe sie überall: Menschen, die etwas Neues tun wollen, aber damit nicht in den Tritt kommen. Irgendetwas steht dabei im Weg. Ist es eine unsichtbare Kraft, die uns ausbremst?

Es ist wohl mehr als eine Kraft. Denn Veränderungen anzugehen ist auf verschiedenen Ebenen nicht einfach. Es ist nicht nur das Geld und die Zeit, die oft fehlen. Vielmehr müssten wir – um wirklich Neues zu erreichen – nämlich auch unsere alten Handlungsmuster durchbrechen. Zu den großen Problemen beim Verwirklichen von Lebensträume gehört, dass wir leider vorher nicht wissen, ob ein Vorhaben gelingen wird. Ob die selbst gesteckte Herausforderung zu groß ist. Und wie wohl die Anderen auf unsere Pläne reagieren werden.

Was will ich eigentlich vom Leben?

Die Corona-Zeit war für viele Menschen eine Zäsur, die – zwar oft unter Schmerzen – doch zu einer Annäherung an den Lebenstraum geführt hat. Unternehmen mussten durch die veränderten Bedingungen schließen und ihren Mitarbeitern kündigen. Viele Menschen haben dann diese Krise als Neustart für sich selbst genutzt. Möglicherweise hat auch die Konfrontation mit unserer Vergänglichkeit uns näher zu dem Gedanken „was will ich eigentlich noch vom Leben“ geführt.
Wir können die Erschütterung, die die Pandemie ausgelöst hat, weiter nutzen, um darüber nachzudenken, was wirklich zählt. Mit meinem 5-Schritte-Plan möchte ich dich für anstehende Veränderungen oder für die Umsetzung deiner Lebensträume etwas besser rüsten.

Schritt 1: Es wird unangenehm
Neue Dinge zu tun ist oftmals mit starken Emotionen verbunden. Es ist das Eine, sich endlich mal zum Fallschirmspringen anzumelden, weil man das ja schon immer einmal machen wollte. Etwas anderes ist es, im Flugzeug bei offener Tür unmittelbar vor dem Absprung zu stehen. Möglicherweise ist dieser Moment nicht nur von Freude erfüllt, sondern kommt mit weichen Knien daher. Das ist normal. Unangenehme Gefühle kommen fast überall dort auf, wo wir unbekanntes Terrain betreten.
Viele berühmte Künstler beschreiben immer wieder, wie schwierig es ist, das erste Mal neue Musik aufzuführen. Jede Premiere ist kribbelig und spannend. Das Lampenfieber im Vorfeld kann quälend sein. Das erste Mal einen Vortrag vor hochdotierten KollegInnen zu halten, lässt hier und da die Stimme schwinden. Wenn wir unsere Träume und großen Pläne angehen wollen, dann sollten wir einkalkulieren, dass belastende, schmerzhafte und starke Emotionen auftreten können. Ich betone das deshalb, denn: Wenn man sie schon zu Beginn erwartet, dann überraschen sie weniger.

Schritt 2: Die Angst als Leitsystem
Ich habe persönlich überhaupt keine Angst vor dem Fallschirmspringen. Auch die intensivsten Gedanken daran lassen mich kalt. Nicht, weil ich ein Höhen-Junkie bin oder gerne über den Wolken schwebe. Nein, ich habe keine Angst davor, weil es mich nicht interessiert und ich für mich keinen Sinn darin sehe. Ich habe großen Respekt vor denen, die ihre Liebe zum Fallschirmspringen ausleben – für mich ist das nichts. Ganz anders sieht es bei mir aus, wenn ich einen neuen Song veröffentliche oder ein neues Programm auf die Bühne bringe. Dann bin ich äußerst nervös, habe die berühmten schlaflosen Nächte – und auf der Bühne Lampenfieber. Wenn uns etwas wirklich wichtig ist, dann sind wir emotional sehr viel mehr beteiligt. Und darin liegt auch der Schlüssel zu einem zentralen Gedanken.

Emanuel Koch

Buchtipp: Emanuel Koch, Und täglich grüßt dein Lebenstraum, Patmos Verlag, 14,99 Euro

Den ganzen Artikel finden Sie in unserer bewusster leben Ausgabe 1/2024

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