Liebe dein inneres Kind

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Jeder von uns hat positive und negative Erinnerungen an seine Kindheit und die damit verbundenen Gefühle. Sie können uns als Erwachsene davon abhalten so zu leben, wie wir es eigentlich gerne möchten. Bei der Arbeit mit dem inneren Kind geht es darum, unbewusste, tief in uns verborgene Erfahrungen, ans Licht zu holen.

Wir alle brauchen unser ganzes Leben lang positive Bestätigung. Diese mächtigen Botschaften ließen uns als Kinder wissen, dass wir wertvoll sind, dass es in Ordnung ist, wenn wir nach Essen und nach Berührung verlangen, und dass unsere Existenz ein kostbares Geschenk ist. Die Botschaften, die wir von unseren Eltern erhielten, halfen uns Entscheidungen zu treffen, die dann den Kurs unseres Lebens bestimmten. Wurden wir von konsequenten und fürsorglichen Eltern aufgezogen, dann gelangen wir zu dem Schluss, dass unser Leben einen Sinn hat und dass man den Menschen Vertrauen entgegenbringen kann. Wurden wir von suchtabhängigen oder neurotischen Eltern aufgezogen, dann folgern wir, dass das Leben bedrohlich und chaotisch ist – dass wir so etwas wie Freude nicht verdienen. Dies sind entscheidende Schlussfolgerungen, die unser Leben zutiefst beeinflussen, auch wenn wir sie schon längst vergessen haben. Leider geraten diese Urteile und Meinungen nicht in Vergessenheit, die wir uns in unserer Kindheit gebildet haben. Sie bleiben uns als dynamische Mächte erhalten, die unser Erwachsenenleben vergiften. Wenn unsere Bedürfnisse in unserer Kindheit nicht erfüllt wurden, etwa weil wir misshandelt oder verlassen wurden, dann verbringen wir unser Leben damit, die Welt durch die verzerrte Perspektive eines bedürftigen Kindes oder wütenden Jugendlichen zu betrachten. Je stärker wir diese Kindheitsaspekte zu verdrängen versuchen, desto stärker gewinnen sie Kontrolle über uns. Die Verleugnung unseres inneren Kindes mani-festiert sich in destruktiver Weise: in von Abhängigkeit beherrschten Beziehungen, in der Sabotage unseres Erfolgs, in somatischen Krankheiten und Versagen in der Elternrolle.
Um diesen Kreislauf des Leidens zu beenden, müssen wir unser inneres Kind liebevoll annehmen, ganz gleich, in welchem Alter und Stadium es sich uns zeigt. Die folgenden Affirmationen wenden sich an das schreiende Baby, an das frühreife Kleinkind ebenso wie den reizbaren Zweijährigen, Kind-Aspekte in uns, die noch immer auf Eltern warten, bei denen sie sich geborgen, geliebt und akzeptiert fühlen. Durch diese Übungen wird uns die Fähigkeit nahegebracht, unserem inneren Kind selbst gute Eltern zu werden. Indem wir ihm liebevolle Eltern sind, übernehmen wir die Verantwortung für unser Leben. Die Affirmationen für das innere Kind ist den Erwachsenen gewidmet, die bereit sind, ihre Kindheitswunden selbst zu heilen. Durch dieses mutige Bemühen können wir von einem Leben des Schmerzes zur Gesundung gelangen. Rokelle Lerner

3 Affirmationen zur Aussöhnung mit dem Kind in uns (aus dem Buch “Liebe dein inneres Kind” von Rokelle Lerner):

Ich höre auf meine innere Stimme

Manchmal höre ich zu sehr auf die barschen, befehlshaberischen Stimmen in meinem Kopf:
„Gehorche deinem Lehrer.“ „ Vater weiß das besser.“
„Tu, was die Erwachsenen dir sagen.“ „Benimm dich deinem Alter entsprechend.“
„Bitte einen Polizisten um Hilfe, wenn du dich verlaufen hast.“
Ich bin ein Kind, das gelernt hat, auf Autoritäten zu hören und gehorcht,
ohne nachzudenken. Aber diese alten Stimmen haben nicht immer mein Bestes im Sinn gehabt.

Heute bringe ich diese schnatternden Stimmen zum Schweigen.
Ich werde dieses dumme Gerede ersticken, bis es ganz verschwunden ist.
Ich will nur noch eine Stimme hören: die starke, klare Stimme meiner inneren Weisheit.
Tief in meinem Innern existiert ein starkes Bewusstsein meiner Selbst,
dessen Klugheit mich verblüfft.

Heute höre ich auf die weisen Worte meiner Mitte und spüre,
wie sie mein ganzes Sein durchdringen.
Ich weiß, was für mich richtig ist. Ich trage meine eigenen Antworten in mir.
Wenn ich lausche, dann höre ich auch.

Ich feiere mein inneres Kind

Niemand hat sich in der Zeit meines Heranwachsens groß um mich gekümmert.
Meine Eltern schlafwandelten durch die Geburtstage und Festtage.
Ich bekam, was ich nach ihrem Willen haben sollte.
Nie erhielt ich die Geschenke, die ich wirklich wollte oder brauchte,
weil sie mit ihren eigenen Problemen zu sehr beschäftigt waren.
Für sie war ich mehr Pflicht als Freude.

Nun muss ich mein inneres Kind für all die Feiern, die es entbehren
musste, entschädigen. Ich feiere mein inneres Kind auf vielfältige Weise.
Manchmal kaufe ich ihm Geschenke – einen Blumenstrauß,
ein Buch oder etwas Besonderes, nach dem es sich schon jahrelang gesehnt hat.

Manchmal überrasche ich es mit einem Ausflug über’s Wochenende,
einer Massage oder einem besonderen Festessen.
Manchmal gehen wir in den Zoo oder schauen uns spontan einen Film an.
Ich suche nach Anlässen, die Leistungen meines inneren Kindes zu feiern.
Meist aber feiere ich es spontan – einfach weil es dieses Kind ist.

Ich will jeden Moment genießen

Ein Kind genießt jeden Tropfen seines Schokoladeneises.
Langsam und genüsslich schleckt es an den Eiskugeln in der Waffeltüte.
Mag das Eis auch schon schmelzen und über die Hände rinnen,
es macht nichts. Das wird später abgeleckt.

Die Mutter denkt besorgt an die Flecken auf dem Kleid und dem Autositz und bemüht sich,
das Kind zur Eile anzutreiben. Vergeblich.
Von diesem Kind kann ich etwas lernen, denn ich rase in einem Tempo durchs Leben,
dass ich kaum mitkriege, wo ich bin oder wie ich mich fühle.
Oft genug schlinge ich mein Essen herunter, fahre zur Arbeit und komme an meinem Ziel an,
ohne irgendetwas anderes bemerkt zu haben, als den Wagen vor mir.
Arbeit, Sex, Beziehungen und Elternschaft – ich rase durch, ohne je ganz präsent zu sein.

Heute will ich mich darin üben, mein Leben zu genießen.
Ich will mir eine Person aussuchen, mit der ich zum Essen gehe.
Ich werde jeden Bissen auskosten und mich daran erfreuen.
Ich will mir das Material des Stuhles bewusst machen, auf dem ich sitze,
ich werde das farbenfrohe Gedeck auf dem Tisch betrachten.
Ich will mein Spiegelbild in den funkelnden Augen meines Gegenübers sehen.

Ich muss nicht niedlich sein, um geliebt zu werden

Ich war ein niedliches Kind und
habe von Anfang an daraus Kapital geschlagen.
Ich musste nur scheu blicken oder die Leute unterhalten.
Schon bekam ich, was ich wollte.
Es war leicht, aber es war nicht das Wahre.
Tief im Innern wusste ich immer,
dass ich die anderen an der Nase herumführte und
dass ich mich nicht immer auf mein niedliches Aussehen
und meinen Charme würde verlassen können.
Ich wusste, dass ich dabei nicht lernte,
selbst etwas für mich zu tun.
Schlimmer noch, ich hatte immer Angst,
dass die anderen mich nicht lieben würden,
wenn sie um mein wahres Selbst wüssten.
Heute erlaube ich meinem niedlichen Kind in mir,
es selbst zu sein. Ja, es ist niedlich, aber es ist noch sehr viel mehr.
Ich respektiere seine Fähigkeit zu entscheiden,
was es braucht, und direkt darum zu bitten.
Ich liebe es um seiner selbst willen.

 

 

 

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