Mein Traum von der Selbstversorgung

Bei der Selbstversorgung geht es nicht darum, von heute auf morgen das komplette Leben umzukrempeln und alles perfekt zu machen – sondern darum herauszufinden, was uns selbst guttut. So wie es Marie Diederich für sich entdeckt und ihren Selbstversorger-Traum wahr gemacht hat.

Die große Frage, eine, die wir uns immer öfter stellen, ist die nach dem, was wir wirklich brauchen. Oder anders gesagt: Geht es nicht einfacher, können wir nicht leichter werden? Viele sehnen sich nach Entschleunigung, nach weniger. Es erdet ungemein, im Garten zu arbeiten, etwas mit den eigenen Händen zu erschaffen und Wind und Wetter zu spüren. Und abends am Lagerfeuer zu sitzen, ist so viel erfüllender als der nächste Serienmarathon.
Das Schöne an der Selbstversorgung, egal ob teilweise oder voll, ist die Wertschätzung, die man zurückgewinnt: für das Gemüse, Obst, überhaupt für sein Essen, für die Tiere – und für die Dinge, die wir schon so gewohnt sind, dass wir gar nicht mehr wissen, woher sie kommen oder wie sie entstehen. Frische Sommergemüse wie Tomaten und Zucchini gibt’s bei uns nur in den warmen Monaten. Was sich erst mal nach einem entbehrungsreichen Leben anhört, ist eigentlich genau das Gegenteil: Du kannst dir gar nicht vorstellen, wie groß unsere Vorfreude auf die erste Tomatenernte ist. Der süße Geschmack einer selbstgezogenen Tomate ist einfach unvergleichlich. Und wenn man sich erst mal daran gewöhnt hat, kann eine wässrige Wintertomate, die in den kalten Monaten in einem weit entfernten Gewächshaus gewachsen ist, nicht mehr mithalten. Auch die Hühner machen im Winter eine Legepause – wir sorgen zwar vor und machen den Sommer über Eier für den Winter haltbar, aber wenn die aufgebraucht sind, legen auch wir eine Eierpause ein und können es kaum erwarten, dass die Tage länger werden und unsere Hennen wieder anfangen zu legen. Das erste Ei im Jahr ist immer ein kleines Festmahl.

Auf der Suche nach den Wurzeln – was brauchst du eigentlich?

Wir kennen die Geschichte hinter den Lebensmitteln, die wir selbst anbauen. Wir haben das, was wir essen, mit eigenen Händen erzeugt, und das fühlt sich einfach gut an. Wer Selbstversorgung ausprobiert, wird ganz automatisch verzaubert: vom Brot, das man selbst gebacken hat, von den unterschiedlichsten Farben, in denen Hühnereier leuchten können, oder vom Geschmack selbstgezogener Karotten, den man eigentlich schon vergessen hatte. Selbstversorgung ist magisch!
Also: Was brauchen wir wirklich? Was wollen wir selbst machen und vor allem: Was können wir überhaupt selbst machen? Und was passt zu dir? Das sind die großen Fragen. Denn sich selbst zu versorgen, heißt auch planen.

Ab in den Garten!

Dein erstes Gemüsebeet ist ruckzuck angelegt und mit dem richtigen Anbauplan und ein paar anfängerfreundlichen Gemüsepflanzen steht schon bald die erste Ernte an. Nach und nach kannst du dich dann auch an die anspruchsvolleren Kandidaten der Gemüsewelt herantasten und einen Regenbogen unterschiedlichster Gemüse selber anbauen – auch alte, fast vergessene Pflanzen, die man in keinem Supermarkt bekommt. Als Allererstes solltest du aber an das Obst denken. Im Gegensatz zum Gemüse dauert es nämlich viele Jahre, bis ein Obstbaum Früchte trägt. Du kannst also gar nicht früh genug damit starten, deinen Obstgarten anzulegen. Vielleicht kennst du den Spruch: „Die perfekte Zeit, einen Baum zu pflanzen, war vor 20 Jahren. Die zweitbeste Zeit ist jetzt.“
Ich halte es für realistisch, dass du zwei Jahre brauchst, um dich zumindest im Sommer so gut wie komplett mit Gemüse selbst zu versorgen (wenn das dein Plan ist). Das ist nämlich gar nicht so schwer, wie viele denken. Und wenn du nach und nach mehr Erfahrungen sammelst, hast du irgendwann den Dreh raus, wann du was wo pflanzen musst, damit es auch mit der ganzjährigen Gemüse-Selbstversorgung klappt.
Wer Hühner hält, braucht keinen Fernseher!


Hühner sind einfach urkomisch! Und sie sind alle unterschiedlich: Es gib die zutraulichen, die am liebsten den ganzen Tag herumgetragen werden, die neugierigen, die dir durch den ganzen Garten folgen und jeden Handgriff beobachten, und die Freiheitskämpferinnen, die in den Obstbäumen nisten und jede Gelegenheit nutzen, den Garten deiner NachbarInnen zu plündern. Es hat etwas Friedliches, frühmorgens in den Garten zu gehen, um die Stalltür zu öffnen. Es ist ein schöner Start in den Tag, wenn man hört, wie die Hühner voller Vorfreude gackern, sobald sie bemerken, dass du kommst. Und zu beobachten, wie sie aufgeregt über die Wiese rennen und sich auf den Komposthaufen stürzen. Oder abends leise mit ihnen zu reden, wenn sie schon alle auf ihren Stangen sitzen. Sie antworten dann mit einem zarten, fast liebevollen Gurren. Hühner und Kaninchen sind die perfekten SelbstversorgerInnen-Einsteigertiere. Sie brauchen wenig Pflege und Platz, eine überschaubare Grundausstattung, und sie sind so klein, dass selbst Kinder sie ohne Probleme versorgen können.

Wenn Marie Diederich nicht gerade ein YouTube-Video über Pflanzpläne dreht oder an einem Blog­beitrag für die beste Tomatensauce der Welt feilt, findest du sie ganz sicher in ihrem Garten, auf der Weide oder in der Küche. Dort sät sie, was die Erde aushält, melkt ihre heiß­geliebten Ziegen oder kocht die Ernte ihrer überquellenden Beete ein. Egal ob Zucchini, Paprika oder Äpfel – früher oder später landet alles im Einmachglas. Oder vielleicht im selbstgebackenen Brot. So oder so:
Selbstversorgung macht so richtig Spaß – und wenn das jemand
zeigen kann, dann Marie.
wurzelwerk.net

Den ganzen Artikel finden Sie in unserer Ausgabe bewusster leben 2/2022

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