Vom Glück, mit Hühnern zu leben

Es ist schon lange kein Geheimnis mehr, dass es einen neuen (Haustier-)Trend gibt. Wer’s nicht glaubt, höre sich im Freundeskreis um: Es gibt wohl keinen mehr, der nicht mindestens eine Familie kennt, die sich Hühner zugelegt hat. Wenn nicht, dann stellen wir drei von ihnen vor.

Das Huhn, das bei Isabella und Peter Kerschbaumer auf dem Ursteirer Hof geboren wird, hat Glück gehabt. Es darf in geräumigen, abwechslungsreich bepflanzten Gärten mit Sandbad und Unterstand heranwachsen und in aller Ruhe zu Mutter oder Vater befruchteter Eier werden. Die männlichen Teenager haben ihren Privatbereich. Sie lungern zwischen den Büschen herum, sie drücken sich am Zaun entlang und schielen zu den jungen Mädels. Sie machen sich auf einer Aussichtsplattform wichtig und trinken um die Wette. Sie recken die Hälse, sie ärgern und versöhnen sich. Teenager eben. Nur, dass es sich in diesem Fall um Hähne handelt, um eine bunte Bande aus Halbstarken, die einander mit stimmbrüchigem Kikeriki zu übertreffen suchen. Porzellanfarbige Italiener sind dabei, zwergwüchsige Paduaner, gelassene Sulmtaler und pechschwarze Ayam Cemanis aus Indonesien. Manche tragen struppige Föhnfrisuren, andere sind gestromt, gestreift oder gesperbert – und auf einige von ihnen wartet der passende Hennen-Harem, wenn sie erwachsen sind.

Bio? Logisch!

Bruteier sind die Spezialität der Kerschbaumers. Bruteier? Wer sich noch nicht auskennt im Hühner-Kosmos, mag sich wundern. Doch eigentlich ist es ganz einfach. Man nehme: einen Hahn und eine Henne und schon ist das Ei befruchtet. Die Henne brütet es allerdings meist nicht selbst aus. Vielmehr wird es aus dem Nest genommen, behutsam und bruchsicher verpackt und per Post an den zukünftigen Besitzer geschickt. Der lässt es entweder in einer künstlichen Brutmaschine ausreifen oder schiebt es seiner eigenen Glucke unter. Und nach etwa 21 Tagen schlüpft, wenn alles gut geht, das reinrassige und pumperlgesunde Küken seiner Wahl. „Wir haben eine Befruchtungsrate von durchschnittlich 85 bis 95 Prozent, das ist abhängig von der Zuchtgruppe, der Jahreszeit und auch den Vorlieben des Hahns.“

Von der ersten Stunde an trug die gewagte Initiative das Label „zertifizierter Bio-Betrieb“ und kam ohne öffentliche Förderungen, sprich ohne Zugeständnisse, aus. „Wir glauben an unser ganzheitliches Konzept“, sagt Peter Kerschbaumer und Isabella nickt. „Wir arbeiten entweder so oder gar nicht.“ Der Erfolg gibt ihnen recht. Manchmal muss das Kontaktformular des Ursteirerhofs im Internet geschlossen werden. Dann geht nichts mehr. Alles ausverkauft. „Die Nachfrage nach unseren Bruteiern, in denen nichts als die Natur steckt, wächst stetig“, sagt Isabella Kerschbaumer. Und in der Natur der Sache liegt eben auch, dass die Hennen mal Pause machen, Blutlinien aufgefrischt oder schwache Hähne ausgetauscht werden müssen.

Zum Weiterlesen:

Zum Weiterlesen: Manuela von Perfall/Jessica Jungbauer, Vom Glück mit Hühnern zu leben, Callwey Verlag, 29,95 Euro

Den ganzen Artikel finden Sie in unserer Ausgabe bewusster leben 2/2021

Diesen Artikel teilen

Weitere Beiträge

Schreiben Sie einen Kommentar