Wer sich heute ein neues Bett anschafft, kauft längst nicht mehr nur nach Optik. Viele schauen genauer hin: Wie stabil ist das Möbelstück wirklich, woher kommen die Materialien und hält das Ganze länger als ein paar Umzüge? Zu diesem Thema haben wir mit Kalina Francke, die mit NOTORIA einen Anbieter für Metallbetten und -möbel gegründet hat, gesprochen.
Interessant ist für sie weniger ein möglicher Trend als die Frage dahinter: Warum greifen Menschen ausgerechnet bei Betten wieder häufiger zu Metall, einem Material, das viele eher mit Werkstatt als mit Schlafzimmer verbinden?
Ein Grund ist banal, aber entscheidend: Ein Bett muss tragen. Nacht für Nacht, Jahr für Jahr. Und genau hier zeigen sich die Schwachstellen vieler leichter Konstruktionen. Wenn Lattenroste knarzen, Rahmen sich verziehen oder Verbindungen nachgeben, wird aus einem Gebrauchsgegenstand schnell ein Ärgernis. Metallbetten folgen einer anderen Logik: Stahl ist formstabil, belastbar und verzeiht Nutzung eher, als es bei Möbeln aus Pressholz oder dünnen Verbundmaterialien der Fall ist. Für Kalina Francke ist das ein wiederkehrendes Motiv in Gesprächen: „Unsere Kunden erzählen uns immer wieder, dass sie sich für ein Metallbett entscheiden, weil sie etwas fürs Leben suchen.“ Und sie ergänzt: „Nachhaltigkeit bedeutet für viele nicht nur Umweltschutz, sondern auch die bewusste Entscheidung für Qualität und Langlebigkeit.“
Spannend wird das Thema Nachhaltigkeit allerdings erst, wenn man genauer hinschaut, woraus und wie produziert wird. Francke gibt an, Stahl aus europäischen Stahlwerken zu beziehen und die Oberflächen per Pulverbeschichtung zu veredeln – ein Verfahren, das als widerstandsfähig gilt und ohne klassische Nasslackierung auskommt. Bei ausgewählten Kollektionen wird das Metall zudem mit Massivholz kombiniert, laut Unternehmen aus heimischen, zertifizierten Holzarten. Die Materialwahl ist dabei nicht nur eine Designfrage, sondern auch eine Haltungsfrage, wie Francke weiß: „Natürlich leben bedeutet, sich für natürliche Materialien zu entscheiden und bewusst Ressourcen zu schonen.“
Ein Vorteil von Metall, über den im Möbelkontext selten gesprochen wird: Es lässt sich überarbeiten. Wenn ein Bett nach vielen Jahren Gebrauchsspuren trägt oder der Farbton nicht mehr gefällt, muss nicht zwangsläufig ein neues her. „Metall kann zum Beispiel neu beschichtet oder lackiert werden. Eine Option, die es bei furnierten oder folierten Plattenmöbeln oft nicht gibt, weil Beschichtungen, Kanten und Klebstoffe Reparaturen schnell unattraktiv machen.“, führt Francke aus. Und auch nach der Lebensdauer gibt es Unterschiede: „Stahl lässt sich im Vergleich zu vielen Materialmixen deutlich besser recyceln. Während Holzwerkstoffe durch Leime und Beschichtungen häufig nur eingeschränkt verwertbar sind, kann Stahl eingeschmolzen und wiederverwendet werden“. Ein Kreislaufgedanke, der in der Praxis natürlich davon abhängt, wie konsequent gesammelt und verarbeitet wird.
Neben der Haltbarkeit spielt auch der Stil eine Rolle. Metallbetten sind längst nicht mehr nur schwarze Rahmen im Industrial-Look. Es gibt sehr reduzierte, klare Formen, aber auch verspielte Varianten bis hin zu Himmelbetten. Metall kann filigran wirken oder bewusst massiv je nachdem, wie es konstruiert ist. Gerade im Schlafzimmer, wo viele eher Ruhe als Show suchen, kann ein schlichtes Metallbett Vorteile haben: Es wirkt aufgeräumt, nimmt sich optisch zurück und ist dabei stabil. Wer es nostalgischer mag, findet ebenso geschwungene Details. Francke sagt dazu: „Unterm Strich ist Metall weniger ein Stil als ein Material, das unterschiedliche Handschriften erlaubt.“
Auch die Frage, wie ein Bett entsteht, rückt für viele wieder stärker in den Fokus. Handwerk ist nicht automatisch besser, aber es verändert den Umgang mit einem Produkt. Wo anderswo auf Geschwindigkeit und Standardisierung optimiert wird, hängen hier mehr Entscheidungen an einzelnen Arbeitsschritten wie Schweißen, Schleifen, Beschichten und Kontrolle. „Das kann die Qualität fördern, kann aber auch bedeuten: weniger Stückzahlen, mehr Zeit, mehr Sorgfalt“. Der Gedanke dahinter klingt bei Francke ziemlich klar: „Ein Bett oder eine Kommode sollte möglichst nur einmal im Leben angeschafft werden.“ Das wirkt in einer Konsumwelt, die auf ständige Erneuerung getrimmt ist, fast wie ein kleiner Stachel und trifft gerade deshalb einen Nerv.
Unterm Strich zeigt das Beispiel Metallbett, wie sich Konsum gerade verschiebt: Weg von möglichst billig und schnell, hin zu: Passt es wirklich zu meinem Alltag und bleibt es dort?“ Das ist keine moralische Entscheidung, sondern oft eine praktische. Wer ruhig schlafen will, will ein Bett, das nicht wackelt. Wer weniger ersetzen möchte, sucht Materialien, die Reparatur und lange Nutzung zulassen. Und wer sich beim Einrichten nicht alle paar Jahre neu erfinden will, setzt eher auf zeitlose Formen. Genau in diesem Feld bewegt sich Kalina Francke mit dem Anspruch, Beständigkeit nicht nur zu versprechen, sondern in Material, Verarbeitung und Nutzungsdauer plausibel zu machen.


