Mein Weg zur Glückseligkeit

Silja Mahlow spürte eine tiefe Sehnsucht nach Zufriedenheit und innerer Ruhe. Mit Yoga und Meditation lernte sie, ihre Affen im Kopf zu zähmen und die kleinen Freuden des Lebens zu schätzen.

Der Weg zum Glück ist meist anders, als man denkt. Hätte mir jemand vor Jahren gesagt, dass Yoga für mich einmal entscheidend wichtig werden würde – ich hätte laut gelacht. Als der „Umbruch“ kam, war ich mitten in einem späten Studium, eingebunden in ein großes Unternehmen und frisch getrennt. Das Leben war hektisch zu der Zeit, gefühlt bin ich ständig gerannt. Mein Tag schien immer zu wenig Stunden zu haben, gemessen an all den Dingen, die auf meiner Liste standen.

Der Weg zum Glück ist anders, als man denkt

Ich rannte zum nächsten Meeting, zum Kindergarten und in den Supermarkt. Ich schielte auf die kürzeste Schlange an der Kasse und stand dann doch immer in der falschen. Gleichzeitig ahnte ich bereits, dass irgendetwas gründlich falsch lief. Ich wusste nur nicht was. In mir war so eine tiefe Sehnsucht nach Ruhe und Frieden, Glück und Leichtigkeit und egal wie sehr ich mich anstrengte, die erlösende Entspannung trat nicht ein. Im Gegenteil: Mein Hamsterrad drehte sich schneller und schneller.

Ich hatte mich zwischen Job, zwei kleinen Kindern und dem Universitätsalltag aufgerieben

Bei den meisten von uns brauchen große Veränderungen zunächst eine tiefe Einsicht und eine innere Bereitschaft für den kommenden Umschwung. Als würde uns das Leben ein wenig weichkochen, bis unsere innere Stimme laut genug eintrichtert: „So geht es nicht weiter!“ Dieser Punkt war bei mir erst erreicht, als ich vor lauter Rennerei bereits einen Tinnitus hatte und in Therapie war. Damals stand ich am Ende meines Studiums. Ich war Mitte dreißig und hatte mich zwischen Job, zwei kleinen Kindern und dem Universitätsalltag aufgerieben. Egal wen ich fragte, jeder riet mir, mich mehr zu entspannen. Doch keiner konnte mir genau sagen, wie das geht. Wie hört man auf damit, zu viel zu tun? Kann man es lernen, Pausen zu machen? Wie auf den eigenen Körper zu hören?

Yoga leuchtete mir zunächst nicht ein

Zufällig geriet ich dann an eine Zeitschrift, die mehr Entspanntheit durch Yoga versprach. Der Anfang meines Yogawegs begann also wenig glamourös, mit einfachen Übungskarten. Ich las die Beschreibungen der sogenannten Asanas und versuchte mich an der dargestellten Übung. Nichts geschah! Was sollte es bringen eine Zeit lang nur auf einem Bein zu stehen? Yoga leuchtete mir nicht ein. Doch meine Neugier war geweckt. Heute weiß ich, dass wir an dieser Neugier unsere Herzensthemen erkennen. Unser Herz springt ihnen entgegen. Sie lassen uns nicht mehr los. So war das bei mir und Yoga und das, obwohl ich das Rumstehen auf einem Bein am Anfang überhaupt nicht hilfreich fand.

Mein Weg zum Yoga

In den nächsten Urlaub reiste dann doch ein kleines Yogabuch mit. Eigentlich nur, um zu verstehen, wie und wo ich da am besten stehen oder liegen sollte. Doch dieses Buch löste viel mehr bei mir aus. Ich lernte, dass Yoga nicht nur die Asanas sind, also reine Körperübungen. Das Buch beschrieb den achtgliedrigen Pfad von Patanjali, einem der großen Weisen der Yogatradition. Dieser Pfad beschreibt, wie wir durch einen achtsamen Umgang mit unserer Umwelt (Yama) und uns selbst (Niyama), durch die richtigen Körper- (Asana) und Atemübungen (Pranayama), durch ein Training unseres Geistes mit Hilfe der Rücknahme der Sinne (Pratyahara), der Konzentration (Dharana) und später auch der Meditation (Dyana) schließlich das Einssein mit unserem wahren Selbst (Samadi) erreichen. Dieses Einssein hörte sich nach genau dem an, was mir zu fehlen schien.

Da wollte ich hin: Zurück in meine Mitte

Als ich in der Sonne lag und las, erinnerte ich mich. Es gab eine Zeit vor den To-Do-Listen und dem Gefühl von Anstrengung, eine Zeit der Freiheit und Leichtigkeit. Als ich jünger war und mein Kopf noch nicht so laut, fühlte sich mein Leben anders an. Ich erinnerte mich an den Wind in meinem Haar auf einer Schaukel, an Gras unter meinen Füßen, an endlose Ferien und an Wolken hoch über dem Meer …

Silja Mahlow: “Mein Leben hat sich durch Yoga unglaublich verändert. Ich habe vor Jahren eine YogalehrerInnen- Ausbildung gemacht. ‚Nur für mich‘, habe ich entschlossen in der Vorstellungsrunde gesagt. Natürlich kam es anders. Heute bilde ich Yoga­lehrerInnen aus, gebe Workshops aus der Kombination von Yoga, Coaching, Klang und Ölen.”

Den ganzen Artikel vonSilja Mahlow finden Sie in unserer Ausgabe bewusster leben 5/2022


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