Yin Yoga – Der sanfte Weg zur inneren Mitte

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Yin Yoga ist eine traditionelle Übungspraxis, die besonders bei Frauen sehr beliebt ist. Die Asanas sorgen für eine sanfte Entspannung und einen tiefen inneren Frieden.

Yin und Yang – ein Wortpaar, das ursprünglich aus der chinesischen, taoistischen Philosophie bekannt ist, kennt inzwischen auch jeder bei uns. Das Zeichen symbolisiert, dass alle Dinge im Leben eine Balance aus Yin und Yang sind. Eine schwarze und eine weiße Hälfte, eingeschrieben in einen Kreis. Die dunkle Hälfte ist die Yin-Hälfte, Yin steht dabei für alles Verborgene, Kühle, Dunkle, Ruhige. Die weiße Hälfte steht für Yang, alles, was an der Oberfläche sitzt, heiß, hell und bewegt ist. In jedem der beiden Teile ist jeweils ein Punkt der Gegenseite – es gibt kein reines Yin oder reines Yang. Die Unterteilung ist keine scharfe, gerade Linie, sondern eine geschwungene Linie, die den ewigen Tanz der Kräfte miteinander darstellt und das ist auch im Yin Yoga so.

Yin Yoga ist nötig, um unsere yanglastige Kultur in Balance zu bringen

Die meisten traditionellen Formen des Yoga entsprachen einer Praxis, die wir heute Yin nennen würden – also als irgendwie weiblich. Erst die spätere Yoga-Revolution mit Ashtanga und Vinyasa machte Yoga zu einer schnellen, dynamischen und schweißtreibenden Praxis. Diese Yang-Formen des Yoga wurden so populär, dass die lange Geschichte von Yoga als eine ruhige Praxis darüber beinahe in Vergessenheit geriet. In unseren Tagen, da das Leben immer schneller wird und der Leistungsdruck stetig zunimmt, ist die Yin-Seite der Yogapraxis wichtiger denn je – um auszugleichen und uns in unsere Mitte zurückzubringen. „Der einzige Grund, Yoga zu praktizieren, ist, eine freundlichere, liebevollere Person zu sein,“ sagt der Yogalehrer Biff Mithoefer. Yin Yoga ist die Yogaform, mit deren Hilfe wir dieses Ziel am ehesten erreichen. Sie gilt als eine sanfte Praxis, die zur inneren Ruhe und Entspannung führt und die Fähigkeit zum Loslassen befördert.

Loslassen

Im Yin Yoga üben wir mit entspannter Muskulatur und Haltungen über mehrere Minuten und lassen dabei die ganze Schwerkraft des Körpers auf uns wirken. Dieses Loslassen der Muskeln ist etwas, das wir teilweise aber erst lernen müssen. Wenn Sie also beim Üben zu zittern oder zu schwitzen beginnen, wenn Ihr Atem stockt oder flattrig wird, dann üben Sie wahrscheinlich zu intensiv oder mit zu viel Muskelkraft. Gehen Sie dann in mildere Varianten der Haltung, eventuell mit Hilfsmitteln, bis Sie spüren, dass Ihre Muskulatur sich entspannen kann und der Atem frei fließt. Vertrauen Sie beim Yin Yoga ganz Ihrem eigenen Empfinden.

Yin Yoga Die beste Zeit zum Üben

Unser Körper ist am Morgen etwas steifer, die Bandscheiben sind voller, die Faszien und die Muskulatur weniger geschmeidig. Dies kann die Yin- Praxis am Morgen zu einer Herausforderung machen. Wenn Sie aber sehr beweglich sind, kann diese Morgenpraxis für Sie der Himmel auf Erden sein. Auch wenn es kühler ist, sind unsere Faszien „fester“ und geben mehr Halt. Dies kann bedeuten, dass für viele am Morgen oder in einer kühlen Umgebung die wärmende Yin-Praxis genau das Richtige ist. An wärmeren Tagen und am Abend können wir direkt in eine Yin-Praxis eintauchen. Seien Sie also stets neugierig und üben Sie mit einem Anfängergeist. Lassen Sie sich von jeder Haltung und von jedem Tag aufs Neue überraschen.

„Lassen wir alles los, was wir nicht sind, sodass wir das sein können, was wir wirklich sind.“
(Swamini Pramananda)

Nachspüren und ausgleichen

Yin-Haltungen können einzelne Bereiche des Körpers in eine starke Dehnung bringen. Es ist daher wichtig, zwischen dem Üben einzelner Haltungen zunächst der Haltung nachzuspüren, bevor Sie in die nächste Haltung gehen. Lassen Sie sich also bei und zwischen den einzelnen Übungen stets viel Zeit. Die Zeit des Nachspürens ist genauso wichtig wie die Zeit in der Haltung. Nehmen Sie sich die Zeit, so lange nachzuspüren, bis sich jedes intensive Empfinden im Körper gelegt hat. Dieses kann als Temperaturveränderung, als innerer Raum, als Kribbeln oder Prickeln mit einer bestimmten Bewegungsrichtung, als Welle des Wohlempfindens im Körper oder als verstärkte Durchblutung wahrgenommen werden.

Um einer Haltung nachzuspüren und als Ausgleich vor der nächsten Übung gibt es grundsätzlich zwei verschiedene Möglichkeiten: Ruhe (Yin) und Bewegung (Yang). Was wir jeweils wählen, kann davon beeinflusst sein, wie bewegt oder ruhig unser Tag bisher war und wie ruhig oder aufgewühlt der Geist und unsere Emotionen gerade sind. Und auch unser generelles Befinden wird die Wahl zwischen Ruhe und Bewegung beeinflussen. Bei der Wahl einer der beiden Optionen vertrauen Sie daher immer Ihrem Körpergefühl.

So üben Sie richtig

Üben Sie stets in einem milden bis mittleren Intensitätsbereich. Stellen Sie sich die Intensität Ihres Übens auf einer Skala von eins bis zehn vor: Üben Sie nicht in einem oberen oder unteren Grenzbereich, sondern im mittleren Bereich von vier bis sechs.

Yin Yoga ist keine ästhetisch orientierte Form des Übens, sondern eine funktionell orientierte Praxis. Sie müssen keine bestimmte äußere Form erfüllen. Meisterschaft über eine Haltung stellt sich nicht in einer bestimmten Form dar, die unser Ego mit Stolz erfüllt, sondern ist durch innere Haltung der Achtsamkeit gegeben.

Suchen Sie sich aus den angebotenen Übungen (siehe beiliegendes Übungsposter zum Yin Yoga) die aus, die zu Ihrer individuellen Anatomie und dem heutigen Tag am besten passen. Setzen Sie dazu Hilfsmittel so ein, wie diese für Sie angenehm sind. Nutzen Sie Blöcke, Bolster oder Decken, um die Intensität einer Haltung für Sie exakt abzustimmen.

Wir wünschen Ihnen viel Freude und Entspannung mit unseren Yin- Yoga-Übungen!
Susan Freytag

Den ganzen Artikel und das Übungsplakat finden Sie in unserer Ausgabe bewusster leben 01-2016

Wissenswertes über Yoga:

Yoga ist eine über 4.000 Jahre alte indische Lehre, die hier bis heute hohen Stellenwert genießt. In Europa wurde Yoga ab den 1970er Jahren populär. Praktizierende können durch regelmäßiges Üben Körper, Geist und Seele in Einklang bringen. Der medizinische Erfolg ist belegt, sodass Yoga gerne präventiv und zur Gesundheitsverbesserung angewendet wird.

Yogalehren in der indischen Tradition

Yoga verbindet geistige und körperliche Übungen. Mit Yoga lässt sich Stress abbauen, es hilft beim Entspannen und kann neue Kräfte mobilisieren. Die körperbetonte Yogaschule, das Hatha Yoga, ist im Westen mittlerweile weit verbreitet und leicht zu erlernen. Andere Yogaschulen legen mehr Wert auf die spirituelle Ausrichtung und haben ihren Schwerpunkt in der Meditation oder der Atmung. Yoga ist nicht nur Training des Körpers, sondern letztendlich eine Lebenseinstellung, eine bewusste Haltung dem Leben an sich, einzelnen Lebewesen und seinem Körper gegenüber. Seine Wirkung verstärkt sich mit der Regelmäßigkeit und Häufigkeit des Übens.

Die meistverbreiteten Yogaformen

Neben dem Hatha Yoga sind in Deutschland noch Ashtanga Yoga, Kundalini Yoga und Bikram Yoga verbreitet. Im Hatha Yoga stehen körperliche Übungen im Mittelpunkt (Hatha = Kraft). In Indien wurde Hatha Yoga ursprünglich mit anderen Yogaformen zusammen praktiziert, im Westen hat es sich dank seiner nachvollziehbaren Übungen schnell als eigenständige Form durchgesetzt. Im Ashtanga Yoga werden klassische Yogafiguren körperbetont umgesetzt. Weil alles schneller ausgeführt wird, ist mehr Kondition als beim Hatha Yoga notwendig. Auch Power Yoga gehört hierzu. Ungeübte kommen mit diesen Varianten nicht so gut zurecht. Bikram Yoga ist eine Form, die in einem üsehr warmen Raum durchgeführt wird. Der Übungskatalog umfasst 26 Übungen. Die Wärme fördert die Dehnung der Muskulatur und hält die Sehnen geschmeidig. Schwitzen ist gewollt, denn es fördert die Entgiftung des Körpers. Kundalini Yoga wiederum ist sehr spirituell ausgerichtet. Hier werden Atem- und Dehnübungen mit Meditation und spirituellem Gesang kombiniert.

Yoga kann jeder lernen

Yoga bietet sehr viele verschiedene Übungen an, sodass es sich für nahezu jeden eignet. Fortgeschrittene nehmen die schwierigen Übungen, für Anfänger gibt es leichte, aber dennoch wirkungsvolle Übungen. Egal, welche Yogarichtung bevorzugt wird, alle wirken sich positiv auf Körper und Psyche aus. Sie entspannen, tun allgemein gut und aktivieren die Selbstheilungskräfte des Körpers. Das Ziel des Yoga ist die Beruhigung des Körpers bei gleichzeitig wachem Geist. Man ist hellwach, trotzdem ausgeglichen und ruhig. Jeder möchte zufriedener, glücklicher und ausgeglichener leben. Ein Zustand, der in unserer hektischen Welt offenbar immer schwerer zu erreichen ist. So erklärt es sich, dass Yoga Kurse enormen Zulauf verzeichnen.

Was führt Menschen zum Yoga?

Die meisten, die sich irgendwann in ihrem Leben mit Yoga befassen, haben körperliche Symptome. Sie haben nervöse Beschwerden, Herz-Kreislauf-Probleme, Schlafstörungen, Kopfschmerzen, Verspannungenoder leiden an Überlastung. Sie alle wünschen sich, durch Yoga mehr Ausgleich zu erreichen. Yoga hat tatsächlich die Kraft, bei unterschiedlichsten Beschwerden Linderung zu bringen. Es kann sogar zur kompletten Heilung führen, sofern die Lehre verinnerlicht und auch von einer gesunden Lebensweise begleitet wird. Nicht jeder Yogaform ist für jede Symptomatik geeignet. Wer zum Beispiel unter Arthrose leidet, sollte Power Yoga und andere anstrengende Varianten lieber unterlassen. Ein ausgebildeter Yogalehrer kann Interessenten genau sagen, welches Yoga für sie geeignet ist. Übende sollten eine offene Einstellung gegenüber östlichen Gesundheitslehren und alternativen Heilmethoden haben. Wie sich innerlich dagegen sperrt, wird auch mit Yoga kaum Verbesserung seiner Symptome erfahren. Für alle anderen bietet Yoga mentalen Ausgleich bei Stress und ist daher auch die ideale Prävention vor Krankheiten.

Die Übungen bringen Körper und Geist in Schwung

Yoga hat sich bei Schmerzen im Bewegungsapparat ebenso bewährt wie bei körperlichen Erschöpfungszuständen. Es hilft, den Blutdruck zu senken und verbessert den Blutfluss, sodass auch das Risiko für koronare Herzerkrankungen sinkt. Es kann Spannungskopfschmerzen und Verspannungen lindern. Nicht zuletzt ist es auch deshalb beliebt, weil keine teure Sportausrüstung benötigt wird. Man braucht lediglich bequeme Kleidung und eine Yogamatte. Kursanbieter stellen ihren Teilnehmern meist sogar Matten und Kissen bereit. Der Anmeldung im nächsten Yoga Kurs steht also nichts im Wege.

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