Anleitung zum (Un)Glücklichsein

Unser Verstand ist unablässig damit beschäftigt, das eigene Erleben und Fühlen zu benennen, zu bewerten und zu vergleichen. Dieser Vorgang läuft in rasender Geschwindigkeit ab und ist uns im Allgemeinen nicht einmal bewusst. Er verhindert aber, dass wir den unmittelbaren Augenblick erleben. Die folgende Übung versucht uns diesen Umstand klar zu machen und ein reines Erleben ohne verstandesmäßige Bewertungen zu vermitteln:

– Nehmen Sie sich Zeit, sich zu entspannen. Lassen Sie alle Anstrengungen zur Ruhe kommen.

– Erinnern Sie sich an eine unangenehme Situation aus der Vergangenheit, die starke Emotionen wie Angst, Wut, Verzweiflung oder Schmerz in Ihnen hervorgerufen hat.

– Vergegenwärtigen Sie sich die Situation, lassen Sie sie noch einmal ganz lebendig werden. Sie können wie in Zeitlupe den auslösenden Beginn und das weitere Erleben nachvollziehen. Lassen Sie den Film langsam ablaufen.

– Was geschah? Wie haben sich andere Personen, wie haben Sie sich in dieser Situation verhalten? Wie haben Sie die starken Gefühle in sich wahrgenommen? Welche Empfindungen im Körper haben Sie gespürt? Wo im Körper und wie zeigten sich die Gefühle? Lassen Sie sich Zeit für dieses Nachspüren.

– Wie hat der Verstand diese Gefühle bezeichnet? Wie hat Ihr Denken die Situation bewertet und eingestuft? Tauchten Impulse auf, die Gefühle zu verleugnen, zu verdrängen oder abzumildern? Wie sahen diese Gedanken aus?

– Beobachten Sie die Reaktionen Ihres Geistes, ohne sie zu verurteilen.

– Gab es Reaktionen, die das Auslösen der unangenehmen Gefühle anderen Menschen oder der äußeren Situation zuschrieben? Folgten daraus Vorwürfe oder Schuldzuweisungen an andere? Wenn ja, wie wurden die Gedanken formuliert? Oder machten Sie sich selbst Vorwürfe? Wenn ja, welche, und welche körperlichen Reaktionen gingen damit einher?

– Haben Sie die Gefühle analysiert oder nach Ursachen geforscht? Haben Sie Überlegungen darüber angestellt, wie Sie die Situation zukünftig besser kontrollieren oder ganz vermeiden könnten?

– Beobachten Sie die Reaktionen des denkenden Verstandes aus einer Position der entspannten, neutralen Gelassenheit, ohne zu bewerten.

(aus: Torsten Brügge, „Wunschlos glücklich“, Theseus Verlag)

Den ganzen Artikel finden Sie im bewusster leben Sonderheft ACHTSAM SEIN 6/2020

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